Wurst Case

Einserkastl4. Mai 2014, 18:08
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Unsere aktuelle Eurovisionshoffnung sorgt bis ins russische Polit-Establishment für Erregung

Gerade noch schien die Freundschaft zwischen Österreich und Russland frisch erblüht: Erst konnte Karl Schranz die Liftbekanntschaft mit Putin zum Wohl der Nation bei Olympia-Schnapserln auffrischen, dann fand Heinz-Christian Strache warme Worte für den Anschluss der Krim - und jetzt funkt Conchita Wurst dazwischen.

Unsere aktuelle Eurovisionshoffnung sorgt bis ins russische Polit-Establishment für Erregung. Witali Milonow, St. Petersburger Abgeordneter der Putin-Partei Einiges Russland, verlangt den Boykott des Contests, weil dieser durch den "geistigen Verfall Europas" im Allgemeinen und den "Hermaphroditen aus Österreich" im Speziellen zu einer "Sodomisten-Show" verkommen sei.

Es ist doch erstaunlich, dass der Auftritt eines bärtigen Mannes in Frauenkleidern bereits ausreichen sollte, um das so stabil wirkende moralische Korsett Russlands zum Bersten zu bringen. Noch seltsamer wirkt aber, dass gleichgeschlechtliche Liebe in anderer Zusammensetzung sehr wohl das Wohlgefallen der russischen Machthaber zu erregen weiß.

Wie anders wäre die Tatsache zu verstehen, dass zur weltweit übertragenen Eröffnung der Sotschi-Spiele ausgerechnet das Girlie-Duo Tatu singen durfte, das sich nicht zuletzt durch intimes Küssen auf der Bühne einen Namen machen konnte. Dass da gewisse Altherrenfantasien mitspielen, ist freilich ausgeschlossen - wäre schließlich moralisch verwerflich. (corti, DER STANDARD, 5.5.2014)

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