Neuer SVP-Chef Achammer: "Sind nicht der Nabel der Welt"

4. Mai 2014, 14:36
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Philipp Achammer wurde mit fast 95 Prozent zum neuen Obmann der Südtiroler Volkspartei gewählt

Nach dem Skandal um die Politikerpensionen und dem Rücktritt ihrer Führungsriege legt die Südtiroler Volkspartei ihre Zukunft in die Hand eines 28-Jährigen: Auf einer außerordentlichen Vollversammlung in Meran wurde Philipp Achammer am Wochenende mit fast 95 Prozent zum neuen Obmann gewählt. Der Landesrat für Kultur war der einzige Kandidat und soll die gebeutelte SVP nun in ruhigere Gewässer führen.

Achammer ist ein Freund von Sebastian Kurz, der ihm in Meran als ÖVP-Gastredner viel Erfolg wünschte und die Autonomie des Landes als "weltweites Erfolgsmodell für Minderheitenkonflikte" wie etwa in der Ukraine anpries.

Pflichtgefühl statt Ambition

Das Plebiszit für Achammer wurde mit frenetischem Beifall aufgenommen. Er habe sich "nicht aus persönlichen Ambitionen, sondern aus Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein zur Kandidatur entschieden", erklärte Achammer, der das Innenleben der Partei als Ex-Chef der Jugendorganisation und SVP-Landessekretär ausgezeichnet kennt. Sein vordringliches Ziel nach dem Vertrauensverlust durch den Pensionsskandal sei ein zukunftsfähiges Programm: Die SVP müsse eine Volkspartei bleiben, die Einzelinteressen eine Absage erteile und sich nicht von Lobbys beeinflussen lassen dürfe. Dazu bedürfe es einer gewissen Bescheidenheit: "Südtirol ist nicht der Nabel der Welt." Die Partei habe "wenig ruhmreiche Episoden hinter sich" - sie müsse ihr Profil nun schärfen und eine "dringend notwendige Grundsatzdiskussion führen".

Der scheidende Obmann Richard Theiner rechnete mit jenen ab, deren Absicht die Spaltung der SVP gewesen sei: "Das Ziel gewisser Kreise und Medien, die jahrzehntelang von der SVP finanziell und machtpolitisch profitiert hatten, war die Zerreißung der SVP". Er meinte damit den SVP-Wirtschaftsflügel und die einflussreiche Zeitung Dolomiten. "Sie wollten wie Phönix aus der Asche hervorsteigen und die Macht übernehmen." Theiner unterstrich, es sei "für die SVP kein Trost, dass alle Parteien in den Pensionsskandal verwickelt sind; doch im Vergleich mit den anderen Parteien haben wir als Volkspartei gehandelt." (Gerhard Mumelter aus Bozen, DER STANDARD, 5.5.2014)

  • Außenminister Sebastian Kurz gratuliert Freund Philipp Achammer.
    foto: apa/svp/seehauser

    Außenminister Sebastian Kurz gratuliert Freund Philipp Achammer.

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