Merck kauft nach langem Ringen AZ Electronic

4. Mai 2014, 10:25
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81,3 Prozent der AZ-Aktien angedient - Ziel 100 Prozent

Darmstadt - Der Pharma- und Chemiekonzern Merck übernimmt nach langem Ringen die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials. Mit der rund zwei Milliarden Euro teuren Akquisition des Komponentenzulieferers für Geräte wie Apples iPad verstärkt das Darmstädter Unternehmen sein hochprofitables Geschäft mit der Elektroindustrie.

Nach dem verlängerten Offert wurden Merck 81,3 Prozent der AZ-Aktien angedient, wie der Dax-Konzern am Freitagabend nach Börsenschluss mitteilte. Merck-Chef Karl-Ludwig Kley hatte den milliardenschweren Deal im Dezember eingefädelt. Das Angebot musste aber mehrmals verlängert werden, da die notwendige Mindestannahmequote von zuletzt 75 Prozent nicht erreicht wurde.

"Mit AZ können wir nicht nur unsere Stellung im asiatischen Wachstumsmarkt weiter ausbauen, sondern auch noch stärker als bisher von aufregenden weltweiten Megatrends im Elektronikbereich profitieren - von Smartphones bis zu modernsten Geräten im Bereich Computertechnik", erklärte Kley nun. Merck ist die weltweite Nummer Eins bei Flüssigkristallen, die in Flachbildschirmfernsehern, Laptops und Handy-Displays eingesetzt werden. AZ erzielte 2013 einen Umsatz von rund 530 Mio. Euro. Die ehemalige Hoechst-Tochter stellt mit rund 1.150 Mitarbeitern Chemikalien für integrierte Schaltkreise her, die in Tablets, Smartphones, MP3-Spielern und Spielekonsolen zum Einsatz kommen. Produktionsschwerpunkt ist Asien, wo AZ fast 80 Prozent seiner Umsätze erzielt. Merck verspricht sich von der Akquisition mehr Geschäft mit Elektronikkonzernen wie Samsung oder Sony.

Merck strebt nach eigenen Angaben weiterhin an, alle ausstehenden Aktien von AZ zu übernehmen. Das Angebot an die AZ-Aktionäre werde daher bis auf Weiteres aufrechterhalten. Die Darmstädter wollen die AZ-Aktien von der Londoner Börse nehmen, der Schritt ist für Anfang Juni geplant. Alle wichtigen Integrationsmaßnahmen sollten bis Ende 2014 vollzogen sein.

Anfang Dezember hatte Merck-Chef Kley den AZ-Aktionären 403,5 Pence je Aktie angeboten, womit das Unternehmen insgesamt mit 1,6 Mrd. Pfund oder umgerechnet 1,9 Mrd. Euro bewertet wird. Hinzu kommen noch AZ-Schulden von gut 200 Mio. Euro, sodass die gesamte Transaktion umgerechnet 2,1 Mrd. Euro schwer ist.

Dennoch musste Merck das Offert insgesamt sieben Mal verlängern. Zudem wurde die ursprüngliche Mindestannahmequote von 95 Prozent auf 75 Prozent gesenkt. Den Durchbruch schaffte Merck dann nach dem Erhalt der lang ersehnten kartellrechtlichen Freigabe durch die chinesischen Wettbewerbshüter am Mittwoch. Da die maßgeblichen Elektronikhersteller in Asien angesiedelt sind, war die Zustimmung durch China von besonderer Bedeutung. Die US-Wettbewerbsbehörde und das Bundeskartellamt hatten bereits grünes Licht gegeben. Auch die Freigabe in Japan hatte Merck bereits in der Tasche.

Für Merck ist es der größte Zukauf seit der rund fünf Milliarden Euro schweren Übernahme des Laborausrüsters Millipore im Jahr 2010. Nach Einschätzung von Analysten macht die neue Errungenschaft strategisch Sinn. AZ passe sehr gut zu Merck, hatte es in entsprechenden Analysen geheißen.

Neben der Chemie ist Merck auch im Pharma-Geschäft tätig. Top-Medikament war 2013 die Multiple-Sklerose-Arznei Rebif mit 1,86 Mrd. Euro Umsatz. Allerdings haben die Darmstädter derzeit kaum Nachschub an neuen Medikamenten. Deshalb hatte Kley dem Unternehmen nach mehreren Rückschlägen in der Pharmaforschung einen massiven Umbau verordnet. Damit will er das Arzneimittelgeschäft stärken und die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen. (APA, 4.5.2014)

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