Rechtsradikale Umtriebe in Salzburg nehmen kein Ende

3. Mai 2014, 12:40
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"KZ" auf Notschlafstelle geschmiert - Verfassungsschutz ermittelt auch wegen Verhetzung auf Facebook

Salzburg – Weitere rechtsradikale Schmierereien, ein Aufruf zur Gewalt gegen Bettler und erneut geschwärzte Stolpersteine - der Salzburger Verfassungsschutz hat mit den Ermittlungen gegen Neonazis alle Hände voll zu tun.

Das neueste Werk von rechtsradikalen Sprayern ist auf der Winternotschlafstelle der Caritas in der Alpenstraße zu sehen. Bisher unbekannte Täter haben auf die Glastür der Arche Süd mit schwarzer Farbe "KZ" gesprayt und die Schlösser verklebt. "Wir lassen uns von dem nicht beirren", sagt Margit Greisberger von der Caritas. Voraussichtlich am Dienstag werde das Notquartier eröffnet, es seien auch Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Rund 15 obdachlose Bettlerinnen werden, wie berichtet, in der Notschlafstelle einen Schlafplatz finden.

Auch in Itzling waren die Sprayer aktiv. Eine soziale Einrichtung der Pfarre sei mit den Worten "sozial geht nur nazional"(sic!) beschmiert worden. "Diese Einrichtungen werden nun verstärkt von den Polizeistreifen überwacht", betont Polizeisprecher Michael Rausch gegenüber dem Standard.

Verhetzung auf Facebook

Auch online muss sich der Verfassungsschutz mit rechtsradikalem Gedankengut beschäftigen. In einer Facebook-Gruppe, die sich für die Wiedereinführung eines Bettelverbots in Salzburg einsetzt, sind die Kommentare der Mitglieder entgleist. In einem Posting wünschte ein User die Bettler in das Konzentrationslager Mauthausen. Es wurde mittlerweile gelöscht, die Gruppe auf geheim gestellt. Nun ermittelt der Verfassungsschutz gegen den Verfasser wegen Verhetzung.

Jeder zweite Stolperstein schon beschmiert

Auch die Stolpersteine in Salzburg müssen weiterhin regelmäßig gereinigt werden. Am Mittwoch wurden erneut vier Steine in der Ernest-Thun-Straße und in der Dreifaltigkeitsgasse mit schwarzer Lackfarbe beschmiert. Die Gedenksteine, die in den Straßenbelag eingelassen werden, sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Zwei weitere Erinnerungssteine waren Anfang April vor dem Landestheater mit schwarzer Farbe beschmiert worden. Zudem wurde Anfang April die Berufsschule in Lehen beschmiert. Die Internetadresse der Neonazi-Site Alpen-Donau.info prangte in schwarzer Farbe auf der Hauswand.

Mittlerweile wurde schon jeder zweite Stolperstein in der Stadt Salzburg einmal beschmiert. Der Verfassungsschutz ermittelt auch in dieser Causa seit Monaten. 130 rechtsradikale Beschmierungen konnten bereits aufgeklärt werden. Die zwei geständigen jungen Erwachsenen saßen mehrere Monate in U-Haft und warten auf ihre Anklage. (Stefanie Ruep, derStandard.at, 3.5.2014)

  • Die beiden Stolpersteine vor dem Landestheater wurden Anfang April mit Schwarzer Farbe unkenntlich gemacht. Mittlerweile wurde schon jeder zweite Stolperstein in der Stadt Salzburg einmal beschmiert.
    foto: hanna feingold

    Die beiden Stolpersteine vor dem Landestheater wurden Anfang April mit Schwarzer Farbe unkenntlich gemacht. Mittlerweile wurde schon jeder zweite Stolperstein in der Stadt Salzburg einmal beschmiert.

  • Die Neonazi-Website Alpen-Donau.info wurde auf die Hausmauer der Berufsschule in Lehen gesprayt.
    foto: neuhold

    Die Neonazi-Website Alpen-Donau.info wurde auf die Hausmauer der Berufsschule in Lehen gesprayt.

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