Luft und Liebe auf der rosa Europaspeisekarte

2. Mai 2014, 23:12
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Die Neos starteten mit Europas Liberalen in die heiße Phase ihres EU-Wahlkampfes: Guy Verhofstadt griff dabei nach dem Amt des Kommissionspräsidenten - und Matthias Strolz erneut in den Schmalztopf.

Wien - In der Marx Halle im dritten Wiener Gemeindebezirk ist die Botschaft angekommen: Da wird aus dem Sternchen-Sticker-Tauschen für die als Gewinn winkende Reise nach Brüssel des Öfteren ein angeregtes Gespräch von einander bisher Unbekannten. Die Stimmung ist gut, es wird so intensiv geplauscht, dass Einpeitscherin Beate Meinl-Reisinger, die Wiener Landessprecherin der Neos, die ihren recht streng zu Ruhe rufen muss. Trotzdem: Im blumigen Jargon der pinken Partei würde man das Treiben an diesem Freitag Abend wohl unter "Love is in the air" subsummieren.

Love is in the air

Liebe ist es, was die Neos, die am Freitag ihren EU-Wahlkampfauftakt feierten, mit Europa verbindet. Und dieses Gefühl versuchte man den rund 1300 gekommenen Sympathisanten auf vielfältige Weise zu vermitteln.

Meinl-Reisinger bemühte sich, ihre EU-Affinität durch permanenten Wechsel von deutscher und englischer Sprache zu demonstrieren. Schließlich hatte man ja auch "the honour, to have Europa here in Vienna". Gemeint waren die - bei Roten und Grünen als neoliberal verschrienen - Europäischen Liberalen in Person von Alde-Präsident Sir Graham Watson, sowie Alde-Kandidat Oli Rehn und Belgiens ehemaligem Premier Guy Verhofstadt.

Letzterer nutzte den Wahlkampfauftakt der europäischen Liberalen in Wien, um erneut sein Interesse am Amt des künftigen EU-Kommissionspräsidenten zu bekunden - was aber schwierig werden dürfte. Derzeit ist die Alde mit 84 Abgeordneten nur drittstärkste Fraktion. Also hieß es für Verhofstadt auch im Sinne seines "Vorbildes" Neos, kräftig in Richtung Konservative und Sozialisten auszuteilen: "You know, what happened to the dinosaurs?" Richtig. Die Neos seien hingegen eine neue Spezies, die weder die "Politik des Leugnens", wie die Konservativen verfolgen würden, noch wie die Sozialisten "nur Vorwürfe, aber keine Lösungen" haben.

Mitten ins Herz

Ins Herz des Publikums traf Neos-Chef Matthias Strolz mit erneuten Liebeserklärungen an Europa - wenn es auch diesmal differenzierte waren. "Es handelt sich nicht um eine blinde Liebe", erklärte Strolz, "sondern um eine reife, bei der unendlich viel Beziehungsarbeit nötig ist". Das verursache eben manchmal "Kopfweh". Und könne, ins Gegenteil verkehrt, "Ignoranz" und "Gleichgültigkeit" bedeuten, malt Strolz philosophisch in die Luft. Zustimmung aus den realen Tiefen des Publikums: "Darum hab ich ja schlussgemacht mit X. Aber wohnen tun wir noch zusammen."

EU-Spitzenkandidatin Angelika Mlinar leistet in ihrer Europabegeisterung gar Unmenschliches: "Jedes Mal, wenn ich an Europa denke, hört mein Herz zu schlagen auf. Wirklich." Für den 25. Mai strebt sie trotzdem ein zweistelliges Ergebnis an. Die ÖVP hatte für die Schmalztopfrhetorik nur Spott übrig: "Nur heiße Luft" stand auf pinken Ballons, die man in der Innenstadt verteilte. (Karin Riss, Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 3.5.2014)

  • Selfie der liberalen Familie beim EU-Wahlkampfauftakt: Meinl-Reisinger, Verhofstadt, Mlinar, Strolz, Watson (v.l.n.r.)
    foto: neos

    Selfie der liberalen Familie beim EU-Wahlkampfauftakt: Meinl-Reisinger, Verhofstadt, Mlinar, Strolz, Watson (v.l.n.r.)

  • Neos-Parteichef  Matthias Strolz gab eine Liebeserklärung an Europa ab, auch wenn die Liebe "keine blinde" sei.
    foto: apa/neubauer

    Neos-Parteichef  Matthias Strolz gab eine Liebeserklärung an Europa ab, auch wenn die Liebe "keine blinde" sei.

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