Feuer in Gewerkschaftsgebäude tötet 37 Menschen

2. Mai 2014, 21:38
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Zuvor vier Tote bei Ausschreitungen gemeldet - Obama und Merkel drohen Russland mit neuerlicher Ausweitung der Sanktionen - Hauptquartier von prorussischen Separatisten in Slawjansk unter Beschuss

Im Zuge der Ausschreitungen zwischen Anhängern Moskaus und Kiews ist in Odessa auch ein Gewerkschaftsgebäude in Brand gesteckt worden. Laut Polizeiangaben sollen durch den Ausbruch des Feuers insgesamt 37 Menschen ums Leben gekommen sein. Das ukrainische Innenministerium bestätigte die Berichte. Einige starben demnach, als sie aus dem brennenden Gebäude sprangen. Andere seien Rauchvergiftungen erlegen, teilte die Polizei mit.

Bei den Zusammenstößen in der Stadt waren zuvor am am Freitag schon vier Menschen getötet worden. Ein Mann sei von einer Kugel in der Lunge getroffen worden und noch vor Eintreffen der Rettungskräfte gestorben, teilte die örtliche Vertretung des Innenministeriums mit. Es seien auch Steine, Molotow-Cocktails und Sprengsätze geworfen worden.

Hunderte mit Schlagstöcken bewaffnete und mit Helmen geschützte prorussische Aktivisten solleneine Demonstration von 1.500 Unterstützern der ukrainischen Regierung angegriffen haben, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Dutzende Menschen auf beiden Seiten wurden verletzt. Die Polizei versuchte, die verfeindeten Gruppen zu trennen. Die Schwarzmeerstadt mit rund eine Million Einwohnern war bisher von den Unruhen im Osten des Landes weitgehend verschont geblieben.

Slawjansk weiter unter Beschuss

Ukrainische Regierungstruppen sind gegen Warnungen aus Russland mit schweren Waffen ins Zentrum der von Separatisten besetzten Stadt Slawjansk vorgerückt. Zwei Soldaten seien bei einem Feuergefecht in der Ostukraine getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew am Freitagabend mit.

Die russische Staatsagentur Itar-Tass meldete, das Hauptquartier der prorussischen Aktivisten, die die Stadt seit Wochen kontrollieren, liege unter Beschuss. Die Agentur Interfax zitierte Separatisten, wonach elf gepanzerte Fahrzeuge sowie mehrere Busse mit Infanterie ins Zentrum eingedrungen seien. In der 130.000 Einwohner zählenden Stadt befinden sich auch acht festgesetzte OSZE-Beobachter.

USA zu weiteren Sanktionen bereit

US-Präsident Barack Obama erwartet keinen völligen Stopp russischer Erdgaslieferungen in der Ukrainekrise. Selbst in der schlimmsten Zeit des Kalten Krieges seien russische Energielieferungen an Europa weiter geflossen, sagte Obama nach einem Gespräch mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Washington. Ein Stopp russischer Gas- und Öllieferungen sei "unrealistisch".

Obama bekräftigte, er strebe weiter eine diplomatische Lösung in der Ukraine-Krise an, man sei aber auch zu weiteren Sanktionen bereit. Zugleich forderte er Moskau auf, seinen Einfluss auf die pro-russischen Milizen in der Ukraine zu nützen, um sie zur Aufgabe zu bewegen. Russland müsse mit raschen weiteren Sanktionen rechnen, sollte sich die Lage in der Ukraine nicht stabilisieren. Der US-Präsident unterstrich weiter, dass das Nachbarland kein Recht habe, die territoriale Integrität der Ukraine zu verletzen. Russland dürfe auch nicht die Außen- und Innenpolitik seines Nachbarlandes diktieren.

25. Mai entscheidend

Die deutsche Kanzlerin forderte Russland auf, die Präsidentenwahl in der Ukraine am 25. Mai zu unterstützen. "Wir werden alles daransetzen, dass diese Wahlen stattfinden können", sagte sie in Washington. Sollte dies nicht möglich sein, seien weitere Strafmaßnahmen gegen Russland unvermeidbar, betonte sie.

Merkel warf Russland vor, sich nicht an die Genfer Vereinbarung zu halten. Dagegen habe die Regierung in Kiew erste Schritte zur Umsetzung des Abkommens eingeleitet. In Genf hatten sich die Ukraine, Russland, die USA und die EU darauf verständigt, den Konflikt friedlich zu lösen, und schriftlich festgehalten: "Alle Seiten müssen jede Form der Gewalt, Einschüchterung und provozierende Handlungen unterlassen. (APA, 2.5.2014)

  • Ein Gewerkschaftsgebäude in Odessa steht in Flammen.
    foto: reuters/stringer

    Ein Gewerkschaftsgebäude in Odessa steht in Flammen.

  • 38 Menschen sterben darin oder bei dem Versuch, sich durch einen Fenstersprung zu retten.
    foto: reuters/stringer

    38 Menschen sterben darin oder bei dem Versuch, sich durch einen Fenstersprung zu retten.

  • Straßenschlachten in Odessa.
    foto: apa/epa/gumenyuk

    Straßenschlachten in Odessa.

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  • Pflastersteine dienen den Demonstranten als Bewaffnung.
    foto: reuters/stringer

    Pflastersteine dienen den Demonstranten als Bewaffnung.

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