Ute Bock: "Unvorstellbar, wie ich mich auf die Arbeit freue"

2. Mai 2014, 17:25
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Nach Schlaganfall und Rehabilitation kehrt die Flüchtlingshelferin in ihr Wohnprojekt für Asylwerber zurück. Im Rollstuhl, aber mit einem neuen Plan: Kindern von Asylwerbern gratis Unterricht zu geben

Wien - Ihren Humor hat Ute Bock nach ihrem Schlaganfall nicht verloren. Im Neurologischen Rehabilitationszentrum Rosenhügel scheint das Einzelne zu überfordern: "Guten Morgen! Ich komme, um Ihr Bett zu machen!", verkündet, am Vormittag um drei viertel elf, eine Pflegerin in freundlich-forschem Ton. "San Sie jetzt erst aufgestanden?", repliziert die seit Stunden im Rollstuhl sitzende Bock.

Die Pflegerin bleibt ratlos stehen: "Wieso, es ist ja schon bald Mittag?", fragt sie leicht irritiert - worauf die prominente Patientin, wohl auch um abzulenken, das Thema wechselt: Was die Belegschaft hier am Rosenhügel alles leiste, sei beachtlich. Sie, die Spitalsskeptikerin ("Vergangenes Jahr war ich mit ein paar Buben aus der Zohmanngasse in einer Krankenhausambulanz: keine schöne Erfahrung"); sei hier eines anderen belehrt worden.

Genesungspost von Häupl

Seit 19. Jänner, also seit dreieinhalb Monaten, lebt die 71-Jährige in einem hellen Zweipersonenzimmer in dem Rehabilitationszentrum an westlichen Rand von Wien. Von Verwandten abgesehen, empfing sie in dieser Zeit nur wenige Besuche. Dafür waren diese hochkarätig: Bundespräsident Heinz Fischer gab ihr die Ehre, ebenso der Industrielle Hans Peter Haselsteiner, der ihre Hilfsprojekte allmonatlich unterstützt.

Darüber hinaus hat die Flüchtlingshelferin per Brief und Mail hunderte Genesungswünsche erhalten. Unter anderem vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl: "Davor hab ich mich über Jahre erfolglos um einen Termin bei ihm bemüht. Jetzt steht er mir im Wort", freut sich Bock.

Erinnerung an Zusammenbruch

"Keineswegs überrascht" wiederum haben sie die nach ihrem Schlaganfall am 20. Dezember 2013 in Internetforen aufgetauchten, erfreuten Kommentare - etwa vom Redakteur einer FPÖ-Zeitung. Die FPÖ distanzierte sich danach von dessen "rein privaten" Aussagen, die ohnehin, so Bock, "für sich allein sprechen".

An ihren Zusammenbruch erinnert sich die Flüchtlingshelferin detailliert: "Ich hatte einen Mitarbeiter ersucht, dass er in der Waschküche im Keller die Wäsche in den Trockner gibt. Dann bin ich doch selber hinuntergegangen. Wie ich mich dort von der Trocknertür wegbeug, dreht's mich auf einmal. Ich land im Wäschekorb."

Nur fünf Minuten später hielt der Mitarbeiter im Keller Nachschau: "Er sagte: Ich hol die Rettung. Ich sagte: Brauchst du nicht, hol lieber jemand Zweiten, um mich raufzubringen." Dass der Mann trotzdem gleich die Sanitäter rief, hat ihr wahrscheinlich das Leben gerettet.

Intensive Physiotherapie

Der Schlaganfall schädigte Bocks linken Arm und ihr linkes Bein. Nach intensiver Physiotherapie und anderen Behandlungen hat sich ihr Zustand so stark gebessert, dass sie am 9. Mai wieder nach Hause übersiedeln wird: ins Flüchtlingswohnprojekt in der Favoritner Zohmanngasse, wo in ihrem Büro, wie sie sagt, "jetzt nur meine Katze die Stellung hält".

Büro und Wohnraum werden derzeit rollstuhlgerecht adaptiert. Der Schreibtisch bleibt dabei unangetastet, denn dort liegt haufenweise Post, die erledigt werden muss. "Es ist fast unvorstellbar, wie ich mich auf die Arbeit freue", sagt Bock.

In ihrer Abwesenheit hätten ihre Mitarbeiter "getan, was sie konnten", sagt Bock. Nun würden hoffentlich auch die zuletzt spärlicher gewordenen Spenden für ihren Flüchtlingsberatungsverein wieder stärker fließen: "Vielleicht hilft es, wenn ich bei Veranstaltungen erneut selber auftauche."

Darüber hinaus hat sie für die nächsten Monate konkrete Pläne: "Lehrer haben mir angeboten, Kindern von Asylwerbern außerhalb der Schulstunden Gratisunterricht zu geben. In den Schulen der Umgebung stehen an den Nachmittagen Klassenzimmer leer. Das passt gut zusammen." (Irene Brickner, DER STANDARD, 3.5.2014)

  • Die hämischen Kommentare rechter Poster nach ihrer Erkrankung würden "für sich allein sprechen", sagt Flüchtlingshelferin Ute Bock.
    foto: irene brickner

    Die hämischen Kommentare rechter Poster nach ihrer Erkrankung würden "für sich allein sprechen", sagt Flüchtlingshelferin Ute Bock.

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