"Du laberst Dreck!"

2. Mai 2014, 17:25
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Einladungen zum Rapfight, die ein stolzer Duellant nicht ausschlagen kann

Die Politstrategie "Musikalität" wird sträflich vernachlässigt. Nicht dass der Finanzminister seine Budgetrede hätte singen sollen. Nicht dass ihm die Opposition als Chor der Gefangenen hätte entgegenschallen müssen. Es ist jedoch EU-Wahlkampf. Es wäre für Spitzenkandidaten also nur logisch, auch ihre Musikchancen zu nutzen.

Natürlich müsste Repertoiregleichheit herrschen, weshalb sich die Europahymne (die Weise aus Beethovens Neunter) anböte. Es müsste auch kein neues TV-Format her; Sangesduelle wären in geplante TV-Konfrontationen integrierbar.

Eine Arieninitiative der Spitzenkandidaten wäre auch immens wichtig, um zu verhindern, dass der Wahlkampf durch Kandidaten aus dem Ruder läuft, die sich singend ihrer Anonymität entledigen wollen – wie ÖVPler Philipp Michalitsch (Listenplatz 33). Der sympathische, weltoffene Zeitgenosse hat H.-C. Strache rappend zum Duell aufgefordert: Auf Youtube übt er sich jedoch armrudernd und fingerspreizend in einer ihm wenig zugetanen ­Gestensprache. Auch sein Versuch, Statements bodenständig zu halten, zeugt von einer verhauten Notverpflanzung in ein dem Sakkoträger fernes Milieu.

Sätze wie "Du laberst Dreck!" werden dennoch ihre Wirkung nicht verfehlen - wie auch Spekulationen zu Strache-Hobbys ("Der Einzige, der noch mit Waffen im Wald spielt, bist du!" oder "Du bist kein Nazi, doch dein Leben riecht nach brauner Sch..."). Das sind Einladungen zum Rapfight, die ein stolzer Duellant nicht ausschlagen kann, auch wenn er der ÖVP scheingelassen nun "tiefste Verzweiflung" attestiert. Kommt es aber zum Duell, bleibt Spitzenmann Othmar Karas nur die Nebenrolle als Schiedsrichter. Eine Blamage. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 3./4.5.2014)

  • ÖVPler Philipp Michalitsch rappt auf YouTube.
    foto: youtube

    ÖVPler Philipp Michalitsch rappt auf YouTube.

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