Schlammschlacht ums Great Barrier Reef

4. Mai 2014, 09:00
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Mit ihrem Einsatz gegen eine Schlammdeponie auf dem Gebiet des Great Barrier Reef fordern die Eisverkäufer Ben & Jerry's die australische Politik heraus. Der Umweltminister will bei Unilever, dem Mutterkonzern der Eiscreme-Firma, Einspruch erheben

Sydney - "Löffelt Eiscreme, nicht das Barriereriff", verkündet in knalligen Farben ein Schild, das ein von Ben & Jerry’s angeheuerter Taucher in einem großen Aquarium Fischen und Besuchern entgegenhält. Mit derselben Botschaft reisen Firmenvertreter durchs Land und geben kostenlose Proben ihrer Produkte ab. Mit der ungewöhnlichen Marketingaktion will die Speiseeis-Tochter des globalen Konsumgüterherstellers Unilever auf die Gefahren hinweisen, die dem australischen Naturwunder drohen.

Doch die aufsehenerregende Werbekampagne ist der Regierung des Bundesstaates Queensland sauer aufgestoßen. Umweltminister Andrew Powell wirft Ben and Jerry’s vor,  "Propaganda" der Umweltschutzorganisation WWF zu wiederholen. "Eine weitere Firma unterstützt die Kampagne von Lügen und Betrug, die der WWF verbreitet", meint der sichtlich erboste Minister. Und: „Wer "die Fakten kennt, wird Ben und Jerry’s boykottieren." Powell kündigte an der Muttergesellschaft Unilever zu schreiben, um seiner Empörung Ausdruck zu geben, heißt es in Brisbane.

Ausbau eines Hafens

Ben & Jerry’s hatte die Kampagne begonnen, nachdem die australische Regierung Anfang des Jahres grünes Licht für den Ausbau eines Hafens an der Küste von Queensland gegeben hatte. Zum Projekt gehört das Ausbaggern von drei Millionen Kubikmetern Schlamm aus dem bestehenden Hafenbecken. Das teilweise mit Giftstoffen belastete Material darf nun mit Bewilligung der Behörden im Gebiet des Great Barrier Reef entsorgt werden, mit über 2000 Kilometern Länge eines der größten Naturschutzgebiete der Welt.

Wie die Eiscremefirma mitteilt, sei sie besorgt über die Tatsache, dass das Naturschutzgebiet zunehmend zu einer "Autobahn für Kohlefrachter" werde.  Im Hinterland der Küste, vor der das Barriereriff liegt, befinden sich einige der reichsten Kohlelagerstätten der Welt. Durch die Expansion des Hafens wird es möglich sein, dass tiefer liegende, größere Kohlefrachter anlegen können. Damit sollen die Verladekapazitäten pro Jahr um etwa 70 Millionen Tonnen Kohle erweitert werden, hofft die Regierung von Queensland.

Unterschiedliche Prognosen

Ben & Jerry’s, 1978 von zwei Schulfreunden im amerikanischen Bundesstaat Vermont gegründet, unterstütze seit 35 Jahren Umweltorganisationen wie den WWF, heißt es in der Zentrale. Das Unternehmen bekämpfe auch Pläne für die Bohrung nach Öl in der Arktis.

Wissenschaftler fürchten, dass der Schlamm das von der Unesco als Weltnaturerbe anerkannte Riffgebilde weiter schädigen könnte. Laut World Wide Fund For Nature (WWF) könnten Strömungen und Wellen das Material bis zu 40 Kilometer weit ins Riff tragen. Dies würde zur Erstickung von Korallen und anderen Lebewesen führen. Die Regierung von Queensland dagegen glaubt, dass sich 70 Prozent des Schlamms auf dem Meeresboden ablagern werden.

Auch ohne diese zusätzliche Belastung sieht die Zukunft für das Riff schlecht aus. Pessimistischen Prognosen zufolge soll es schon im Jahr 2050 größtenteils zerstört sein. Faktoren wie der Klimawandel, die Übersäuerung des Meerwassers sowie die Folgen von intensiver Landwirtschaft und Industrie in den Küstengebieten tragen laut Meeresbiologen dazu bei, dass bereits jetzt große Teile des Riffs abgestorben oder zumindest sehr geschwächt und akut bedroht sind. Die Unesco wird in den kommenden Monaten darüber entscheiden, ob das Great Barrier Reef zum gefährdeten Weltnaturerbe erklärt wird. (Urs Wälterlin, DER STANDARD, 3./4.5.2014)

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    foto: ap

    Das etwa 2000 Kilometer lange Great Barrier Reef ist akut bedroht. Nun soll es auch noch als Schlammendlager dienen.

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