MERS-Coronavirus von Kamel auf Menschen übertragbar

2. Mai 2014, 15:07
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Virologen der Vet-Med-Uni Wien fanden heraus, dass Viren von Menschen und Dromedaren fast idente RNA-Sequenzen aufweisen

Das MERS-Coronavirus breitet sich derzeit in der arabischen Welt rasant aus. Eine Infektion betrifft Menschen wie auch Dromedare und kostete mittlerweile mehr als 100 Menschen das Leben. Forschungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigen nun, dass MERS-Coronaviren von Menschen und Dromedaren aus derselben geografischen Region fast identisch sind. Die Erkenntnisse sprechen für eine Übertragung zwischen Tier und Mensch und wurden im Journal "Eurosurveillance" veröffentlicht.

Übertragungswege bislang unklar

Das Middle-East-Respiratory-Syndrome-(MERS-)Coronavirus wurde im Juni 2012 erstmals in einem Patienten aus Saudi-Arabien gefunden, der an einer schweren Lungenentzündung litt. Seither erkrankten mehr als 300 Menschen an einer Infektion, wovon etwa ein Drittel starb. Dass Dromedare der Ursprung der Infektionskrankheit sind, gilt seit kurzem als bestätigt. Die Übertragungswege der Viren sind bislang jedoch noch unklar.

Virologen der Vet-Med-Uni fanden nun heraus, dass Viren aus infizierten Menschen und Dromedaren aus derselben Region fast identische RNA-Sequenzen aufweisen. "Das deutet auf eine Übertragung zwischen Tier und Mensch hin. Mit diesem Wissen können wir gezielt auf die Ausbreitung des Virus reagieren, etwa mit Impfungen von Kamelen", sagt Virologe und Studienleiter Norbert Nowotny. So könnte eine Verbreitung gebremst werden.

Regionale Unterschiede

Die Forscher aus Wien untersuchten dazu Nasenschleimhaut- und Bindehautabstriche von 76 Dromedaren aus dem Oman. In fünf Tieren fanden sie das MERS-Coronavirus und verglichen die virale RNA mit jener von MERS-Coronaviren aus Katar und Ägypten. Die Analyse zeigte, dass sich die Viren regional unterscheiden. "Das bedeutet, dass es keinen spezifischen 'Kamel-MERS-Coronavirusstamm' gibt, sondern dass ein und dasselbe Virus Kamele und Menschen infiziert", so Nowotny.

Die Virusmengen im Nasen- und Augensekret der Dromedare waren überraschend hoch. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass der Übertragungsweg von Tier auf Mensch höchstwahrscheinlich über diese Kontaktstellen passiert, vor allem über Nasensekret.

Übertragung von Mensch zu Mensch

Das Virus führt beim Menschen zu schweren Lungenentzündungen und zu Nierenversagen, während Kamele keine oder kaum Symptome - eventuell Nasenausfluss - zeigen. Bisher fanden alle Infektionen beim Menschen auf der Arabischen Halbinsel statt. Einige erkrankten allerdings erst nach der Rückkehr in ihre Heimatländer, davon bisher elf in Europa. Das Mers-Coronavirus wird auch von Mensch zu Mensch übertragen, zum Beispiel in Familien, bei Veranstaltungen aber auch beim Kontakt zwischen Patienten und medizinischem Personal.

Das MERS-Coronavirus ist eng mit dem SARS-Coronavirus verwandt. SARS hatte seinen Ursprung in China und führte in den Jahren 2002 und 2003 weltweit zu mehr als 800 Todesfällen. "Während das SARS-Coronavirus vermutlich nur einmal die Artenbarriere übersprang, indem es von Fledermäusen auf den Menschen überging, müssen wir beim MERS-Coronavirus von laufenden Übertragungen von Kamelen auf Menschen ausgehen", erläutert Nowotny.

Dass MERS-Coronaviren Dromedare infizieren, zeigten Nowotny und Kollegen bereits in einer früheren Studie, in der sie Antikörper gegen das Virus in den Tieren nachwiesen. Die aktuelle genetische Analyse der MERS-Coronaviren selbst lässt nun noch genauere Rückschlüsse zu. (red, derStandard.at, 2.5.2014)

  • Forscher der VetMedUni Wien erforschten, wie das Mers-Coronoavirus übertragen wird.
    foto: norbert nowotny/vetmeduni wien

    Forscher der VetMedUni Wien erforschten, wie das Mers-Coronoavirus übertragen wird.

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