"Das kann einen wahnsinnig machen"

Interview2. Mai 2014, 17:49
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Elisabeth Stampfl-Blaha, Geschäftsführerin von Austrian Standards, sieht weniger in den Kosten, sondern eher in der fehlenden Kohärenz das Problem mit den Normen

STANDARD: 24.000 Normen gibt es, jedes Jahr kommen 400 bis 600 dazu. Können Sie den Unmut in der Bauwirtschaft verstehen?

Stampfl-Blaha: Bei diesen vielen Normen ist das künstliche Hüftgelenk genauso dabei wie die Zahnbürste. Generell gibt es aber zu viele Stufen an unterschiedlichen Regelwerken, mit Gesetzen, OIB-Richtlinien, Önormen, den "Technischen Richtlinien Vorbeugender Brandschutz" der Feuerwehren oder auch der Wohnbauförderung. Bei dieser Vielfalt ist es nicht einfach, sich zurechtzufinden. Vielleicht lässt sich das besser aufeinander abstimmen. Ich habe das selbst kürzlich erlebt: Wenn etwas in einer OIB-Richtlinie steht und in der dazugehörigen Norm ähnlich, aber nicht gleich formuliert ist, kann einen das wahnsinnig machen. Die Kohärenz ist also wichtig, um den Zugang zu dem, was Regel ist, zu erleichtern.

STANDARD: Auch die Kosten der Normen werden etwa von Architekten immer wieder kritisiert.

Stampfl-Blaha: Wir bieten Architekten und Bauträgern in Zusammenarbeit mit den Interessenvertretungen zwei Pakete unserer "meinNormenpaket" -Reihe an. Eine Norm kostet da im Schnitt einen Euro, samt Updates. Und wir sehen am Downloadverhalten unserer Kunden, dass diese im Regelfall mit 200 Normen auskommen. Es scheint also nicht jeder alle Normen zu brauchen.

STANDARD: Die Kammern sagen selbst, dass in der Vergangenheit nicht immer die besten Köpfe in die Normengremien geschickt wurden. Was sagen Sie dazu?

Stampfl-Blaha: Das kann ich nicht beurteilen. Aber es ist wichtig, dass man sich genau überlegt, wo Normung für ein Unternehmen, für eine Behörde wichtig ist. Wenn es wichtig ist, muss man die besten Leute schicken, und die müssen auch gut vorbereitet sein. Deshalb sage ich grundsätzlich immer: Normung ist Chefsache.

STANDARD: Sie haben bei der Enquete angekündigt, den Normungsprozess "transparenter" machen zu wollen. Wie?

Stampfl-Blaha: Wir haben da ein Problem erkannt. Manche Interessierte sagten uns, sie würden sich gerne in eine Arbeitsgruppe hineinsetzen, wollten aber wissen, wer schon drin ist. Wir werden deshalb künftig die juristischen Personen bekanntgeben, Einzelpersonen auch namentlich. (Martin Putschögl, DER STANDARD, 3.5.2014)

Elisabeth Stampfl-Blaha (56) studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Wien und Lausanne. 1988 trat sie ins Österreichische Normungsinstitut ein, das sich heute Austrian Standards nennt. Seit 1. Februar 2013 ist sie dessen Direktorin.

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  • "Normung ist Chefsache", sagt Elisabeth Stampfl-Blaha.
    foto: thomas maria laimgruber

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