Prozess in Wien: Sturzbetrunkener Tanz auf dem Autodach

3. Mai 2014, 12:00
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Zwei Studenten sollen nach durchzechter Nacht über Autos geklettert sein und diese beschädigt haben. Ihre Erinnerungen sind ziemlich lückenhaft

Wien - Homer Jay Simpson mag nur eine Comicfigur sein, ewige Wahrheiten vermittelt er dennoch. Etwa wenn er den Alkohol als "Ursache und Lösung aller Probleme" beschreibt. Zumindest die Teile mit der Ursache und den Problemen treffen auf Michael B. und Joseph D. zu - die beiden Studenten sitzen nämlich wegen einer durchzechten Nacht vor Richterin Beate Matschnig.

Um 5 Uhr morgens sollen sie am 30. März 2013 in Wien-Neubau - wie man in Oberösterreich sagt, bummzua - auf den glorreichen Gedanken gekommen sein, statt des Gehsteigs Autos als Fußweg zu benutzen. "Wir haben ein Wettrennen gemacht, ich weiß nicht, wie wir auf die blöde Idee gekommen sind", grübelt der zerknirschte Zweitangeklagte D. noch heute darüber nach.

Schuhabdrücke und Dellen

Der 21-Jährige gesteht reumütig, aber nur teilweise. Er sei mit zwei Kumpanen nur auf ein Auto geklettert und dort auf dem Dach herumgesprungen. "Ist es möglich, dass ihr auf mehrere Autos gekraxelt seid?", stellt Matschnig eine nicht ungerechtfertigte Frage. Schließlich wurden auch noch auf vier, fünf anderen Wagen Schuhabdrücke und Dellen entdeckt.

Nein, das stimme nicht, sagt D., der glaubt, in Wahrheit ein Nachahmungstäter zu sein. "Warum sollte ich überhaupt auf ein Auto kraxeln? In dem Club war Sperrstunde, da waren viele junge Leute auf der Straße, vielleicht haben wir es anderen nachgemacht", muss er aufgrund seiner ethanolinduzierten Erinnerungslücken mutmaßen.

Opfer einer Verwechslung

Der Erstangeklagte beteuert dagegen, Opfer einer Verwechslung zu sein. Er gehörte zwar zur Gruppe, stand zum Tatzeitpunkt aber auf der anderen Straßenseite. Ob er auch andere Menschen auf Autos gesehen hat, weiß er nicht mehr. Gegen den angeblichen dritten Dachhüpfer wird getrennt verhandelt, da er sich derzeit im Ausland befindet.

Den Beleg, dass Trinken die Gedächtnisleistung nicht unbedingt steigert, liefern auch andere Zeugen - wenn überhaupt, haben sie nur noch bruchstückhafte Erinnerungen. 

Matschnigs Problem: Der Hauptbelastungszeuge, ein Anrainer, der die Polizei verständigt hatte, ist nicht erschienen. An sich hätte die Richterin eine Diversion im Auge gehabt, da der Schaden an dem Autodach kurz nach dem Vorfall von D. bezahlt worden ist. Allerdings muss dazu der Sachverhalt geklärt sein, was ohne Geständnis im Sinne der Anklage nicht der Fall ist. Also vertagt sie auf den 21. Mai. (Michael Möseneder, derStandard.at, 3.5.2014)

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