Ausgedient: Das Ende der Ära "Kübel"

Kolumne2. Mai 2014, 17:28
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Nach sieben Jahren war Schluss mit dem Problem-Gefährt

"Kübel ..." Unser Familienwagen hat es wahrlich geschafft, nach Jahren des Gebrauchs zum Feindbild meines Vaters zu werden. Dies fand seinen Ausdruck darin, dass er ihn schlicht "Kübel" nannte.

Alles hatte damit begonnen, dass die Motorwarnleuchte bereits ab dem Neuwagenstadium ein Eigenleben entwickelte. Der Mechaniker meinte, das sei mit einer kleinen Reparatur leicht zu beheben, doch die Warnleuchte war anderer Meinung. Sie flackerte in fröhlichem Orange weiter vor sich hin.

Als der Wagen zu seinem vierten Geburtstag dann wie aus dem Nichts zu ruckeln anfing, auf dem Weg von Triest nach Wien, wurde wiederum der Autodoktor aufgesucht. Ergebnis: hohe Rechnung. Und gleich das nächste Problem - ein Anziehen der Handbremse ging ins Leere, von Verzögerung keine Spur.

Servolenkung ohne Servo

Freundliche Nachbarschaftshilfe führte schließlich zum Ende der Ära "Kübel": Im sechsten Jahr entschloss sich der Wagen spontan, nicht anspringen zu wollen. An ungünstiger Stelle natürlich, Ausfahrt Stellplatz zur Straße. Ein gestresster Nachbar, der auch rauswollte, eilte zu Hilfe. Mit den Worten: "Ah, das geht schon!" drehte er das Lenkrad mit so viel Feingefühl rum, dass die Servolenkung ihr "Servo" verlor. Den Blick meiner Mutter hätten Sie sehen sollen.

Damit musste wirklich ein neuer Wagen her. Indes, es zog sich hin, bis ins verflixte siebte Jahr - den dringlichen Bedarf parkten meine Eltern psychologisch bei "Verdrängung" ein. Irgendwann konnte ich nicht mehr zusehen, Eigeninitiative war angesagt, ruck, zuck fand sich das passende Auto im Internet. Auftakt zur Ära "wunderbar". (stal, DER STANDARD, 2.5.2014)

  • Mitunter werden Autos "Kübel" genannt, nicht zuletzt dann, wenn sie im Eimer sind.
    foto: www.corn.at

    Mitunter werden Autos "Kübel" genannt, nicht zuletzt dann, wenn sie im Eimer sind.

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