Prozess in Wien: Fünf Monate bedingt für drohenden Grapscher

2. Mai 2014, 18:22
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Ein 45-Jähriger soll der volljährigen Tochter seiner Ex-Freundin zweimal an die Brust gegriffen haben. Er sieht eine Intrige der Mutter

Wien - "Ich habe nichts gemacht. Ich habe sie nicht bedroht, und ich habe sie nicht angegriffen", versucht Zoran K. Richter Andreas Böhm von seiner Unschuld zu überzeugen. Er habe die 20-jährige Tochter seiner Ex-Freundin nicht sexuell belästigt, indem er ihr zweimal an die Brust gegriffen hat, und auch nicht genötigt, wie ihm Staatsanwalt Michael Radasztics vorwirft.

Begonnen hat die Sache in jedem Fall mit falsch dimensionierten Holzstäbchen. Die sollte der Angeklagte nämlich am 16. Oktober für ein Kindergartenprojekt von Michaela G. besorgen. "Ich bin ins Bauhaus gefahren und habe die geholt und bin anschließend in die Wohnung zu Michaela gekommen", schildert er seine Version.

Zu blöd für richtige Maße

Die Lieferung wurde nicht goutiert: "Sie hat geschimpft, dass es die Falschen sind. Ich habe dann gesagt, wie sie so blöd sein kann, mir nicht die richtigen Maße zu sagen." Nach einer kurzen Internetrecherche fand man die korrekten Staberln, K. machte sich neuerlich auf den Weg, um sie zu kaufen.

"An der Tür habe ich sie dann gebeten, sie soll ihrer Mutter nicht sagen, dass ich sie blöd genannt habe. Und zehn Minuten später ruft mich die Mutter an und verflucht mich", endete die Schilderung des 45-jährigen Tischlers. Der überzeugt ist, dass es sich um eine Racheaktion seiner ehemaligen Lebensgefährtin handelt, mit der er an sich ein gutes Verhältnis hatte.

Ohne Verteidiger

K. ist ohne Verteidiger gekommen, trägt seine Aussagen recht ruhig und sachlich vor. Also läuft es, wie so oft bei Sexualdelikten, auf die Beweiswürdigung durch das Gericht hinaus.

Denn die 20-Jährige erzählt eine völlig andere Geschichte, als sie von Böhm in Abwesenheit des Angeklagten einvernommen wird. Es habe kein Wortgefecht wegen der falschen Holzstücke gegeben, aber als sie am PC saß, habe der Angeklagte sie an den Schultern massiert.

"Das wollte ich eigentlich nicht. Und er hat ganz anders ausgeschaut, als wollte er mich vergewaltigen. Ich habe Angst bekommen und bin in die Küche gegangen."

Angedeuteter Kopfschuss

Im Wohnzimmer und in der Küche habe K. ihre Brust gedrückt, versucht, sie zu küssen, und ihr auf die Pobacke gegriffen. "Wehe dir, du sagst es deiner Mutter", soll er bei seinem Abgang zweimal gesagt haben und dabei mit Zeige- und Mittelfinger einen Pistolenschuss in seine Schläfe angedeutet haben.

"Als er weg war, habe ich zu weinen begonnen und meine Mutter angerufen", erzählt die junge Frau leise und bedrückt. Rund einen Monat habe sie seelisch unter dem Übergriff gelitten, 300 Euro Schmerzensgeld will sie dafür.

Ihre Mutter muss zunächst noch vor dem Saal warten - der Richter hat spontan entschieden, auch sie als Zeugin aussagen zu lassen. Was sie zu Böhms sichtlicher Qual auch wortreich macht. Sie bestätigt die Geschichte ihrer Tochter. "Sie hat mich in der Arbeit angerufen und war völlig aufgeregt. Ich bin in Panik gewesen und habe gefragt, was los ist. Dann hat sie mir erzählt, was passiert ist."

"Sehr verstörter Eindruck"

Daher habe sie K. gleich angerufen, da sie Angst hatte, er komme mit den neuen Hölzern wieder. "Ich habe ihm gesagt, er soll sich nicht mehr blicken lassen und dass ich zur Polizei gehen werde." Was geschah; die Beamten notierten, dass die Tochter noch einige Stunden später einen "sehr verstörten Eindruck" machte.

Böhm erinnert nach diesen Aussagen den unbescholtenen Angeklagten noch einmal daran, dass ein Geständnis ein wesentlicher Milderungsgrund sei. K. bleibt dabei: Es sei nichts vorgefallen.

Der Richter sieht das anders. "Das Opfer hat einen völlig glaubwürdigen Eindruck gemacht. Und es gibt ja auch keine Möglichkeit, dass die Mutter ihr es eingeredet hat, schließlich haben die Telefonate ja unmittelbar nach der Tat stattgefunden", ist Böhm überzeugt.

"Ich will, dass es zu Ende ist"

Die Strafe für sexuelle Belästigung und Nötigung: fünf Monate bedingt. Das Betatschen des Pos wird nicht verurteilt, da es nicht strafbar ist. Der Ankläger ist mit der Entscheidung zufrieden, K. steht von Gesetzes wegen Bedenkzeit zu. Berufung wird er aber keine erheben, kündigt er schon an: "Ich will, dass das zu Ende ist." (Michael Möseneder, derStandard.at, 2.5.2014)

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