Derbi madrileño um Europa

1. Mai 2014, 18:01
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Atlético Madrid sorgt mit einem 3:1 bei Chelsea für das erste Stadtderby im Endspiel der Champions League. Im Lissaboner Estádio da Luz folgt am 24. Mai das 167. Duell mit Real Madrid

London/Madrid/Wien - 24 Stunden nachdem die Kollegen von Real den 4:0-Triumph ihrer Königlichen über Bayern München im und um den Brunnen auf der Plaza de Cibeles feierten, war es an den Atlético-Aficionados, vor schierer Freude in den frühlingsfrischen Wassern des Neptun-Brunnens auf der nahen Plaza Cánovas del Castillo zu plantschen. Im Stadion von Benfica Lissabon steigt nämlich am 24. Mai zwar schon das fünfte Finale der Königsklasse mit zwei Mannschaften aus einem Land, aber das allererste mit Kontrahenten aus ein und derselben Stadt.

Atlético Madrid verdiente sich die zweite Endspielteilnahme in der Königsklasse nach 1974 (1:1 n. V. und 0:4 innert dreier Tage gegen Bayern in Brüssel) gegen José Mourinhos Chelsea redlich. Dem torlosen Remis in Madrid, das vor allem dem Startrainer aus Portugal heftige Kritik wegen exzessiver Betonmischerei eingetragen hatte, zeigte die Mannschaft von Diego Simeone an der Stamford Bridge zu London, warum sie in Spaniens Primera División dem Meistertitel zustrebt. "Atlético hat ein echtes Team. Ich kann nur gratulieren. Alle Spieler folgen den Vorgaben des Trainers. Jeder weiß, was er zu tun hat", lobte Mourinho, der seinem Kollegen Simeone bereits zehn Minuten vor Spielschluss beglückwünschte. "Das war eine tolle Geste", sagte der 44-jährige Argentinier.

Statistik spricht deutlich

Das 167. Derbi madrileño wird das mit Abstand wichtigste seit der ersten derartigen Veranstaltung im Februar 1928, obwohl sich Real und Atlético schon fünfmal (1960, 1961, 1975, 1992 und 2013) in Endspielen, nämlich um die Copa del Rey, gegenüberstanden. Nur einmal (1975 nach Elferschießen) hieß der spanische Cupsieger danach nicht Atlético, während die Gesamtbilanz klar für die um ein Jahr älteren (1902 zu 1903) Königlichen spricht - 91 Siege bei 33 Remis und 41 Niederlagen.

Im Europacup traf man sich erst einmal. Den Meistercup 1958/59 schmückten beide Madrider Vereine - Meister Real als Titelverteidiger und daher auch Vizemeister Atlético. Das Halbfinale der Stadtrivalen (übrigens auch das eine Premiere für den Europacup) wurde zu einem epischen Dreiteiler. Real gewann daheim mit 2:1, musste sich auswärts mit 0:1 geschlagen geben, kam aber in ein Entscheidungsspiel, weil die Auswärtstorregel erst 1965 eingeführt wurde. In Saragossa schossen Alfredo Di Stéfano und Férenc Puskás den Favoriten zu einem neuerlichen 2:1-Erfolg.

Am Ende stand der vierte von bisher insgesamt neun Titelgewinnen in der Königsklasse. La Decima, der ersehnte zehnte Triumph, der erste seit zwölf Jahren, wird gegen die im laufenden Bewerb noch ungeschlagenen "Rojiblancos" nicht einfach zu holen sein. Angesichts der taktischen, kämpferischen, aber auch spielerischen Klasseleistung, die Simeones Mannen bei Chelsea abgeliefert hatten, gaben sich die nach dem Erfolg über die Bayern noch so zuversichtlichen Real-Superstars eher zurückhaltend. "Dieses Endspiel wird sehr schwer für uns", sagten Cristiano Ronaldo und Gareth Bale unisono. Coach Carlo Ancelotti sprach pragmatisch: "Es gibt keinen Favoriten in einem Finale." (sid, lü, DER STANDARD, 2.5.2014)

  • Die drei Torschützen von Atlético auf einem Bild: Adrián López (rechts) traf zum 1:1, Diego Costa (hinten) zum 2:1. Und Arda Turan besorgte den Endstand gegen Chelsea.
    foto: epa/andy rain

    Die drei Torschützen von Atlético auf einem Bild: Adrián López (rechts) traf zum 1:1, Diego Costa (hinten) zum 2:1. Und Arda Turan besorgte den Endstand gegen Chelsea.

  • Zum Neptun-Brunnen?
    foto: epa/alberto martin

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  • Hier lang!
    foto: epa/alberto martin

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