US-Geldpolitik und Konjunktur: Im Winter-Wonderland

Kommentar1. Mai 2014, 17:57
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Analysten und Aktionäre wischen aktuell negative Nachrichten etwas schnell vom Tisch

An den Kapitalmärkten geht es manchmal rätselhaft zu. Die US-Wirtschaft stolperte im ersten Quartal in die Stagnation, die US-Notenbank drosselt unentwegt ihre Anleihenkäufe, und China wird nach neuen Berechnungen in diesem Jahr die USA als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen. Wie reagiert die Börse auf diesen Nachrichtencocktail? Dass die USA nach 142 Jahren vom Wirtschaftsthron gestürzt werden, hat dem Dow Jones Industrial Average als Leitindex für die US-Unternehmen gar ein neues Rekordhoch entlockt.

Analysten und Aktionäre wischen aktuell negative Nachrichten etwas schnell vom Tisch. Die schwachen Wirtschaftsdaten werden etwa ausschließlich auf den besonders kalten Winter geschoben. Dazu kommt, dass an der Börse die Zukunft, nicht alte Zahlen zum Wirtschaftsprodukt der vergangenen drei Monate im Interesse von Händlern stehen. Zudem macht Corporate America seine Gewinne längst auch außerhalb der USA. Coca-Cola braucht keine starke US-Wirtschaft, um seine Gewinne zu steigern.

Doch die Schere zwischen Wall Street und der Realwirtschaft geht gerade auch wegen der US-Notenbank Fed auf. Die lockere Geldpolitik hat Unternehmen bei der Entschuldung geholfen und ihre Kriegskassen mit Milliarden gefüllt. Die kaufen jetzt eigene Aktien und die Konkurrenz auf und treiben damit die Aktienkurse hoch - ohne der Wirtschaft damit einen wirklichen Impuls zu geben. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 2.5.2014)

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