Die Reichen schlafen im Speckgürtel

1. Mai 2014, 17:22
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STANDARD-Bundeslandkorrespondenten über die Einkommenssituation in verschiedenen Gemeinden

Im Speckgürtel von Linz und Wien sind die meisten Großverdiener zu Hause. Das heißt aber nicht, dass auch die Gemeinden in Geld schwimmen. In Puchenau bei Linz fehlen Betriebsansiedlungen, dabei ist die Lage eigentlich perfekt. Nur wenige Kilometer von Linz entfernt, westlich von Oberösterreichs Landeshauptstadt, dort wo die dicke Luft von Voest und Chemiepark nicht hinzieht. Und nur einige Kilometer den sogenannten Saurüssel hinauf und schon ist man im Mühviertel.

So wundert es Bürgermeister Gerald Schimböck (ÖVP) nicht, dass sein Puchenau laut integrierter Lohn- und Einkommensteuerstatistik zu jenen Orten in Österreich gehört, in der mit die meisten Großverdiener wohnen. Wegen der Attrativität der Wohngegend nimmt man sogar den morgendlichen Stau nach Linz in Kauf. Nach Gemeinden im Wiener Speckgürtel folgt bereits auf Platz vier Puchenau mit einem Medianeinkommen von mehr als 26.000 Euro. 18 Prozent verdienen mehr als 50.000 Euro. (Anm.: Bei Menschen, die nur lohnsteuerpflichtig sind, ist der "adaptierte Bruttobezug" in die Statistik eingeflossen, das ist der Jahresbruttobezug abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge.)

Doch Schimböck sieht die Situation nicht ganz so rosig: "Sie ist leider konträr." Denn auch wenn Puchenau als Wohnort sehr begehrt sei (in den letzten 50 Jahren hat sich die Einwohnerzahl auf 4428 vervierfacht), fehle es an Betriebsansiedlungen. Bis vor zwei Jahren war die Gemeinde eine Abgangsgemeinde. Erst jetzt seien die Ertragsanteile wieder im Steigen, erklärt der Bürgermeister.
Außerdem vertreiben die hohen Wohnkosten junge Familien aus Puchenau. Im Zentrum kostet derzeit ein Quadratmeter Grund zwischen 200 und 300 Euro, unterhalb des Pöstlingbergs zwischen 400 und 500 Euro.  Schon wegen der demographischen Entwicklung müsse die Gemeinde schauen, junge Leute nach Puchenau zu holen. Dazu brauche es mehr günstigen Wohnraum. Entsprechendes Bauerwartungsland gebe es jedenfalls, sagt Schimböck.

Gießhübl in Niederösterreich  wiederum ist für viele Einwohner nicht mehr als ein Schlafort – diesen Befund hat Bürgermeisterin Michaela Vogl (ÖVP) schon mehrfach geäußert. In dem 2214-Einwohner-Ort im Bezirk Mödling gehen aber ganz besonders zahlungskräftige Menschen schlafen: Die Gemeinde weist mit fast 30.000 Euro das höchste Medianeinkommen Österreichs auf und mit über 46.000 Euro das zweithöchste Durchschnittseinkommen. Mehr als die Gießhübler verdienen damit nur die Bewohner der Inneren Stadt in Wien. Ihr Lebensmittelpunkt liegt aber vor allem in der nahen Bundeshauptstadt, wo die Gießhübler in der Regel zum Arbeiten hinpendeln. Dabei verdient nur ein Viertel von ihnen  unter 15.000 Euro, und ein anderes Viertel der Einwohner darf sich über mehr als 50.000 Euro Einkommen im Jahr freuen.

Von den dicken Geldbörsen ihrer Bürger hat die Gemeindekasse aber wenig, auch wenn sich die Zahl der Gießhübler in den letzten 40 Jahren verdoppelt hat.  In den letzten Jahren brauchte Gießhübl immer wieder Geld vom Land (sogenannte Bedarfszuweisungen), um größere Projekte verwirklichen zu können. (ker, spri)

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