"Cropland Capture": Forscher lassen Spieler Ackerland suchen

1. Mai 2014, 11:07
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3.000 Teilnehmer bisher - Projekt soll bei der Suche nach Anbauflächen helfen

Für viele Anwendungen sind Karten gefragt, auf denen weltweit möglichst alle Ackerbauflächen eingezeichnet sind - die vorhandenen wären unzuverlässig und hätten zu viele "weiße Flecken", erklärte der Biogeograph Steffen Fritz der APA am Rande der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) Donnerstag in Wien. Diese Informationslücke könne jedoch die Internet-Spieler-Gemeinde füllen.

Wichtige Daten

Mit solchen Landkarten wäre es zum Beispiel einfacher, die weltweite Erntemenge abzuschätzen, zu berechnen wie viel Treibhausgas die Landwirtschaft ausstößt, welche Menge an Getreide wegen Trockenheit verloren geht und zu planen, wo man Pflanzen für Biosprit anbauen könnte, so Fritz, der am Ecosystems Services and Management Programm des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien arbeitet.

Man könne zwar von den vorhandenen, hochauflösenden Satellitenbildern ablesen, wo weltweit Getreide gepflanzt wird, doch für einen einzelnen Wissenschafter wäre dies vermutlich ein Lebenswerk. Eine große Gruppe von Menschen würde dies jedoch in einer absehbaren Zeit schaffen - zum Beispiel die Online-Spiel-Community, meint er. Deshalb haben die Wissenschafter das Computerspiel "Cropland Capture" entwickelt, bei dem Flächen von jeweils etwa einem Quadratkilometer in "Ackerbau", "kein Ackerbau" und "weiß ich nicht" einzuordnen sind.

3.000 Teilnehmer

"Das Spiel läuft nun ein halbes Jahr und wir konnten 3.000 Leute motivieren, mitzumachen, sie haben weltweit über vier Millionen solcher Gebiete klassifiziert", so Fritz. Damit sei etwa eine Fläche in der Größe Indiens abgedeckt. "Wir lassen aber mehrere Spieler die gleichen Flächen beurteilen, um die Qualität der Ergebnisse zu erhöhen", sagte er. Würden etwa fünf entscheiden, ein Gebiet sei Ackerbaufläche und fünf meinen, es sei keines, müsse man sich dieses Areal genauer anschauen, erklärte er. Entscheiden sich dagegen alle zehn Spieler für die gleiche Option, "glauben wir ihnen das", so Fritz.

Mit den Informationen, die so mittels Crowdsourcing gewonnen werden, könne man nun etwa Satellitendaten kalibrieren und bewerten. Sie könnten aber auch in existierende Landnutzungskarten integriert werden, so der Wissenschafter. Und für fleißige Teilnehmer gäbe es ebenfalls etwas zu holen: wenn das Spiel im nächsten Monat vom Netz geht und einem Nachfolger Platz macht, werden sie bei einer Tombola mit Preisen belohnt, sagte er.

Die seit Montag laufende und am Freitag zu Ende gehende Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien ist mit rund 12.000 Teilnehmer der weltweit zweitgrößte Kongress auf diesem Gebiet. (APA, 01.05.2014)

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    foto: apa
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