Mit Social Media gegen den Informationskrieg rund um die Ukraine

30. April 2014, 17:01
posten

Bloggerinnen aus Russland und der Ukraine uneinig in Sachfragen im Konflikt zwischen Russland und dem Westen

Es ist ein Informationskrieg, der die Ukraine-Krise begleitet. Darin waren sich die beiden renommierten Bloggerinnen, Alena Popova aus Russland und Oksana Romaniuk aus der Ukraine, einig. Doch schon bald waren auch die zwei jungen Frauen, die sich für eine friedliche Lösung stark machen, deutlich unterschiedlicher Meinung. Beide konferierten am Mittwoch auf Einladung der Deutschen Welle in Berlin.

Die Bewaffneten in der Ostukraine seien Terroristen, die klar von Russland finanziert seien, sagte die Bloggerin und Medienexpertin aus der Ukraine. Russland schaffe einen "ausländischen Feind", ein Wort aus alten Sowjetzeiten, sagte Oksana Romaniuk. "Bitte sag nicht "Feind"", antwortete die über Skype zugeschaltete Alena Popova. "Unsere Hauptidee ist es, nicht dieselben Regeln wie Politiker aufzustellen", fügte die Bloggerin und Internet-Aktivistin hinzu. "Ich mag sie alle nicht, ob Putin, Klitschko oder Timoschenko, weil sie Politiker sind und diese ihr eigenes Spiel spielen."

"Es gibt keine Hindernisse in der Ukraine Russisch zu sprechen"

Doch schon bald widersprachen sich beide in Einzelthemen. Popova erzählte von Verwandten in Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim, die bisher offizielle Dokumente ausschließlich auf Ukrainisch abzufassen gehabt hätten, obwohl sie die Sprache nicht beherrschten. Stimmt nicht, entgegnete Romaniuk, die darauf verwies, dass auf der Krim 500 russischsprachigen Schulen lediglich vier ukrainischsprachige gegenüber stünden. "Es gibt keine Hindernisse in der Ukraine Russisch zu sprechen", sagte sie. "Das ist Putin-Propaganda." Die Unterscheidung in Ukrainer und Russen sei künstlich.

Während Romaniuk meinte, nachdem sich in ihrem Land nach der Revolution eine Zivilgesellschaft gebildet habe, trage diese nun die Verantwortung auf ihren Schultern, schlug Alena Popova vor, gemeinsam "eine neue Realität zu schaffen und ein anderes Bild zu präsentieren". Es gehe um den Kampf für die Wahrheit, nicht um Freiheit, "denn meine Freiheit ist nicht deine Freiheit". Ihre Generation in Russland habe fünf Krisen und drei Kriege erlebt, sagte die Alena Popova. "Wir leben in einer abnormen Welt. Doch wir wollen Modernisierung und Dialog."

"Ich bin ein Massenmedium, wir können die Situation verändern", sagte die russische Bloggerin, in deren Land die Medien zunehmend unter dem Einfluss von Präsident Putin stehen. Anders in der Ukraine, wo die Medien zum großen Teil einzelnen Oligarchen gehören. "Wir müssen wissen, wer wirklich dahinter steht", verlangte Popovas ukrainische Bloggerkollegin Romaniuk. "Wir wollen von einem Konzept von Journalisten zu einem Konzept von journalistischen Aktivitäten kommen", sagte sie.

Proteste

Wie wichtig die Internetaktivitäten sind, verdeutlichte Romaniuk am Beispiel jenes Journalisten, der als Privatperson über Facebook die ersten Proteste ausgelöst hatte. Der damalige Präsident Viktor Janukowitsch habe daraufhin die Polizei ausgeschickt, um die demonstrierenden Studenten blutig zu prügeln, was aber geheim bleiben sollte. Als die Bilder davon aber über Twitter und Facebook abrufbar wurden, sei dies der Tropfen gewesen, der das Fass bei den Menschen, die schon lange genug von Korruption im Land hatten, zum Überlaufen gebracht hätte. Das wäre der Beginn des pro-europäischen Protests auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz Maidan gewesen. 700.000 Follower habe die danach eigens kreierte Community inzwischen.

Dementsprechend antwortete Alena Popova auf die Frage, welchen Medien sie traue: "Ich vertraue nur meinen eigenen Augen." Oksana Romaniuk meinte, man könne Social Media vertrauen. Und ausländischen Medien wie der Deutschen Welle, lobte die Ukrainerin den Gastgeber der Diskussion. Deren Leiter der Ukraine-Redaktion, Bernd Johann, sagte, er vermisse ein gemeinsames russisch-ukrainisches Projekt. Allerdings bestehe in der Ukraine eine gewisse Angst, die sei zu respektieren. (APA, 30.4. 2014)

Share if you care.