Berlusconi bezeichnet seine Verurteilung als "Staatsstreich"

30. April 2014, 14:57
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Italiens Ex-Premier wird ab 9. Mai gemeinnützige Arbeit bei Alzheimer-Patienten leisten

Rom - Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi wird am 9. Mai seinen Sozialdienst in einem Mailänder Seniorenheim antreten. Dabei werde er sich um Alzheimer-Patienten kümmern, sagte der Heimleiter, Paolo Pigni, am Mittwoch. "Berlusconi wird an keiner unterhaltsamen Aktivität teilnehmen und nicht im Büro arbeiten. Er wird mit Leid und Situationen in Berührung kommen, die ihn bereichern werden."

Die Details seiner Arbeit in der Einrichtung wurden mit dem 77-Jährigen und den Sozialarbeitern besprochen, die ihn betreuen. Die Verwaltung sei in der Lage, mit den organisatorischen Problemen umzugehen, die mit Berlusconis Anwesenheit verbunden seien, so Pigni.

Berlusconi wird einmal pro Woche gemeinnützige Arbeit leisten, die ihm als alternative Maßnahmen zum einjährigen Hausarrest gewährt wurde. Der Chef der Oppositionspartei Forza Italia war im vergangenen August zu vier Jahren Haft wegen Steuerbetrugs verurteilt worden, die Strafe war wegen einer Amnestie auf ein Jahr reduziert worden. Wegen seines Alters muss der 77-Jährige nicht in Haft.

"Man hat mich aus dem Senat verjagt"

Berlusconi hatte sich zuletzt bereit erklärt, mit "Demut" die gemeinnützige Arbeit zu leisten. "Ich werde das machen, worum sie mich bitten", sagte er in einem TV-Interview am Samstag. Schon in der Vergangenheit habe er öfters zusammen mit seiner Mutter bedürftige Senioren besucht und die Einrichtungen finanziell unterstützt, in denen sie lebten. Trotzdem könnte ihm doch noch der Hausarrest drohen, weil er seine Verurteilung als "Staatsstreich" bezeichnete.

Die Regeln, an die sich Berlusconi während des zehnmonatigen Sozialdiensts halten muss, könnten in restriktivem Sinne revidiert werden, sollte er sich nicht korrekt verhalten, hieß es aus Mailänder Justizkreisen. "Mit diesem Urteil hat man mich aus dem Senat verjagt und mir verboten, sechs Jahre lang meine Kandidatur einzureichen. Damit ist der Chef des Mitte-Rechts-Lagers aus dem Weg geräumt worden, der einzige, der den gemäßigten Block in Italien zusammenhalten kann", kritisierte Berlusconi jene Mailänder Richter, die ihn im August vergangen Jahres im sogenannten Mediaset-Prozess zu vier Jahren Haft verurteilt hatten. (APA, 30.4.2014)

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    foto: reuters/casilli
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