Abschleppung der Costa Concordia verzögert sich

30. April 2014, 14:17
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Kapitän Schettino gibt in Interview Offizieren Schuld für Katastrophe

Rom - Die Abschleppung des vor der Toskana havarierten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia droht sich zu verzögern. Eine nach dem Unglück eingerichtete Kontrollbehörde hat die Genehmigung für die Befestigung von 19 Schwimmkörpern verweigert, die das Wrack ins Gleichgewicht bringen sollten. Der Grund: Bisher seien weder die Abschleppungsmodalitäten noch der Hafen für die Abwrackung bekannt gegeben worden.

Bevor man die Schwimmkörper installiere, müsse man bestimmt haben, wie die Costa Concordia abtransportiert werde, sagten die Experten. Sie berichteten, dass die Betreiberin der Costa Concordia, die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, in einem Brief den Genehmigungsantrag für die Installierung zurückgezogen hatte. Die Gesellschaft wolle bald ein komplettes Dossier zur Abschleppoperation liefern, berichtete die Leiterin der Behörde, Maria Sargentini.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Nach jüngsten Angaben von Zivilschutzchef Franco Gabrielli hätte das Wrack bis September von der Insel weggeschleppt werden sollen. Unklar war noch, in welchem italienischen Hafen es zerlegt wird. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Genua.

Inzwischen hat der Kapitän der Costa Concordia, Francesco Schettino, seinen Offizieren die Schuld an dem Unglück gegeben. Kurz vor der Havarie hatte er die Steuerung des Kreuzfahrtschiffes der Wache anvertraut. "Niemand hatte Gefahren gemeldet", betonte Schettino im Interview mit der Genueser Tageszeitung "Il Secolo XIX". Der Kapitän, der sich in der toskanischen Stadt Grosseto wegen fahrlässiger Tötung verantworten muss, bekräftigte, dass der indonesische Steuermann an Bord des Schiffes seine Befehle nicht begriffen habe.

Kapitän dementiert Flucht von Schiff

Schettino dementierte auch, dass er vom sinkenden Schiff geflüchtet sei. Wegen der Neigung des havarierten Schiffes habe die Schwerkraft gewirkt. Er sei wegen der Neigung in ein Rettungsboot gerutscht, hatte Schettino zuletzt immer wieder wiederholt. Ihm drohen bis zu 25 Jahren Haft.

Bei der Havarie des 290 Meter langen Kreuzfahrtschiffes kamen 32 Menschen ums Leben. Die Costa Concordia war zu nahe an die Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war mit mehr als 4.200 Personen an Bord, darunter 77 Österreicher, gekentert. (APA, 30.4.2014)

  • Die Abwrackung der Costa Concordia hätte im September abgeschlossen sein sollen. Wegen einer fehlenden Genehmigung der Behörde droht diese aber nun länger zu dauern.
    foto: ap/luigi navarra

    Die Abwrackung der Costa Concordia hätte im September abgeschlossen sein sollen. Wegen einer fehlenden Genehmigung der Behörde droht diese aber nun länger zu dauern.

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