Microsoft will China mit Xbox One erobern

30. April 2014, 13:35
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"Unser Start in China ist ein bedeutender Meilenstein für Microsoft und die gesamte Branche"

Softwarehersteller Microsoft bleibt mit seiner Xbox-One-Spielkonsole in China nicht länger außen vor. Das Unternehmen hofft auf einen Fuß in der Tür in einem sehr vielversprechenden, aber auch schwierigen Markt. "Unser Start der Xbox One in China ist ein bedeutender Meilenstein für Microsoft und die gesamte Branche", erklärte Xbox-Manager Yusuf Mehdi in einem Blog.

Kooperation mit lokalem Partner

Der US-Konzern will mit einem chinesischen Partner – der digitalen Videofirma BesTV New Media – kooperieren. Als Start für die Xbox haben beide Partner den September ins Auge gefasst. Erst vergangenen September stampfte Peking einen mehr als zehn Jahre währenden Bann gegen den Verkauf von Videospielkonsolen ein. Ausländische Konzerne können damit ihre Konsolen und Spiele im Reich der Mitte vertreiben – vorausgesetzt sie operieren innerhalb einer neuen Freihandelszone in Schanghai. Noch im gleichen Monat investierte Microsoft fast 240 Millionen US-Dollar in das Gemeinschaftsunternehmen mit BesTV New Media in der Freihandelszone.

Konsolenverbot aufgehoben

Offiziell hatte die Politik im Jahr 2000 Videospiele verboten. Die Befürchtung: Sie haben einen negativen Einfluss auf Kinder. Trotzdem waren sie auf Schwarzmärkten und Kleinläden in Chinas weitverbreiteten Computereinkaufszentren erhältlich. Schwarz kopierte Spiele gibt es vielfach auf Disketten und Festplatten zu haben, die sich nach einigem Herumtüfteln auf der Xbox abspielen lassen.

Trotzdem sind Konsolen in China nicht der Renner. Die Chinesen spielen lieber am PC, häufig mit Freunden in Internetcafés. Zuletzt sprangen sie auf einen neuen Trend auf und spielten auf ihren Smartphones. TV-Hersteller bieten zudem Produkte an, mit denen packende Spiele auf Fernsehern erlebt werden können.

Für Firmen wie Microsoft wird China dadurch zu einem komplizierten Markt. Es ist eine Herausforderung, die Spielgewohnheiten der Chinesen komplett zu ändern. Ein weiteres Problem: Die Zentralregierung setzt strikte Vorgaben, was die Inhalte der Videospiele anbelangt. Jedes einzelne Spiel muss vom Kultusministerium geprüft und abgesegnet werden. Gibt es Anzeichen von Obszönitäten, Drogenkonsum, Gewalt oder Verstößen gegen die Persönlichkeitsrechte Dritter droht eine umgehende Absage.

Komplexer Markt

Trotzdem könnte die Xbox von einer breiten Distribution ebenso profitieren wie von Microsofts unbestrittener Marketingstärke. Bisher hatte das Videospielverbot dem Unternehmen von Gründer Bill Gates solcherlei Anzeigenkampagnen untersagt. Zu Details über den Verkauf der Xbox in China machte Microsoft keine Angaben. Auch der Preis ist noch unbekannt. In den USA geht die Konsole für bis zu 500 Dollar über die Ladentheke.

Die konkurrierenden Konsolenhersteller Nintendo und Sony haben unterdessen auch ihr Interesse am chinesischen Markt bekundet. Bislang haben beide Konzerne allerdings noch keine genauen Pläne offengelegt. (Shira Ovide und Paul Mozur, WSJ.de/derStandard.at, 30.4.2014)

  • Nintendo und Sony haben auch ihr Interesse am chinesischen Markt bekundet, allerdings noch keine genauen Pläne offengelegt.
    foto: reuters

    Nintendo und Sony haben auch ihr Interesse am chinesischen Markt bekundet, allerdings noch keine genauen Pläne offengelegt.

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