Wiederholung der Eyjafjallajökull-Misere unwahrscheinlich

30. April 2014, 13:44
18 Postings

Vulkane sind eines der Themen auf dem aktuellen Kongress der Europäischen Geowissenschaftlichen Union

Wien - "Merkel irrt durch Europa" lautete eine der anschaulichen Schlagzeilen während der Tage des Eyjafjallajökull vor vier Jahren. Im März 2010 brach der isländische Vulkan mehrmals hintereinander aus. Es gab einen großen Ausstoß an Asche, der den Flugverkehr über Nord- und Mitteleuropa für mehrere Tage vollständig lahmlegte - Reisende waren zu teils enormen Umwegen über Land gezwungen.

Eine Wiederholung solcher Ereignisse hält der Geologe Adam Dingwell für unwahrscheinlich. Die Wetterlage sei damals ungewöhnlich gewesen, und man würde heute bei höheren Asche-Konzentrationen fliegen, erklärte der Forscher von der schwedischen Universität Uppsala auf dem derzeit laufenden Kongress der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) in Wien.

Dingwell simulierte am Computer Vulkanausbrüche und die Verteilung der Asche bei verschiedenen Wetter-Bedingungen in Europa. "So entstanden Tausende Szenarien, anhand derer wir sagen können, wo man am ehesten mit großen Aschemengen nach einem Vulkanausbruch rechnen muss", sagte er. Die Regionen, die am wahrscheinlichsten von Vulkanasche aus Island betroffen wären, seien Großbritannien und Skandinavien. Im Winter könnte durch die stärkeren Westwinde aber auch Mitteleuropa etwas von den Aschewolken abbekommen.

Vulkanblitze mit evolutionärer Bedeutung

Mit vulkanischen Blitzen beschäftigt sich indes der Geophysiker Corrado Cimarelli von der Universität München. Der wichtigste Unterschied zu herkömmlichen Blitzen ist, dass vulkanische Blitze durch elektrostatische Entladungen von Aschepartikeln und nicht von Wassertröpfchen wie in Gewitterwolken entstehen. Bei allen großen Vulkanausbrüchen in den vergangenen Jahren habe man Blitze beobachten können, und beim japanischen Sakurajima würde es sogar Tag und Nacht blitzen.

Für Wissenschafter seien Vulkanblitze interessant, seit Stanley Miller 1953 in einem berühmten Experiment zeigte, dass durch elektrische Entladungen in der Uratmosphäre die Bausteine des Lebens aus anorganischen Substanzen entstehen können, so Cimarelli. Um die Vulkanblitze im Labor zu studieren, habe er mit seinen Mitarbeitern einen künstlichen Mini-Vulkan gebaut.

Möglicher Indikator für Prognosen

Mit Hilfe von Gas würden Aschepartikel, die von echten Vulkanen wie dem Eyjafjallajökull, dem mexikanischen Popocatepetl oder dem Vulkan Soufriere Hills auf der Karibikinsel Montserrat stammen, in einer Kammer so lange unter Druck gesetzt, bis eine Membran bricht und die Asche durch die Öffnung, die dem Vulkankegel entspricht, freigesetzt wird. Dort warten eine Vielzahl von Sensoren und eine Hochgeschwindigkeitskamera, mit denen das Geschehen aufgezeichnet wird.

Damit habe man feststellen können, dass noch keine Blitze entstehen, wenn zunächst nur Gas ausströmt. Sobald die Asche kommt, beginne es aber zu blitzen. Zunächst bilden sich viele kurze und schwache Blitze, die schließlich immer weniger aber stärker werden.

Außerdem konnte Cimarelli beobachten, dass die Art der Asche die Zahl der Blitze beeinflusst. "Je mehr kleine Partikel in der Aschewolke sind, umso mehr Blitze entstehen", sagte er. Mit diesem Wissen könnte man umgekehrt von der Anzahl der Blitze auf die Menge und die Beschaffenheit der Asche schließen, die bei einem "echten" Vulkanausbruch ausgestoßen wird. "Dies ist wichtig für Vorhersagen für die Luftfahrt", so der Forscher. (APA/red, derStandard.at, 30. 4. 2014)

Share if you care.