Königin hilft ihrem Nachwuchs im Kampf gegen die Amerikanische Faulbrut

2. Mai 2014, 17:24
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Laut Grazer Forscher können Bienenköniginnen ihre Immunreaktionen gegen mögliche Erreger an die nächste Generation weitergeben

Graz - Die "Amerikanische Faulbrut" ist eine hochansteckende, bakterielle Krankheit der Honigbienen, die den jüngsten Nachwuchs befällt und ihn in den Waben verfaulen lässt. Auf ihrer Suche nach Gegenmaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten haben Zoologen an der Uni Graz nun herausgefunden, dass Bienenköniginnen Informationen ihres eigenen Immunstatus quasi als molekulare Mitgift an die Brut weitergeben können.

Die "Amerikanische Faulbrut" kann ganzen Bienenvölkern in kurzer Zeit den Garaus machen und richtet weltweit alljährlich große Schäden in der Imkerei an. Sie entsteht durch die Infektion mit dem Sporen bildenden Bakterium Paenibacillus larvae (Pl) und befällt nur die junge Brut während der ersten Lebenstage, schildert Ulrike Riessberger-Galle vom Institut für Zoologie der Uni Graz. Ammenbienen füttern die jungen Larven und stecken sie so mit Bakteriensporen an. Ältere Larven und erwachsene Bienen hingegen sind gegen die Krankheit unempfindlich.

Am Institut für Zoologie wurde bereits sowohl in Larven als auch in adulten Bienen eine Substanz gefunden, die das Wachstum der pathogenen Keime unterdrücken kann und somit die junge Bienenbrut vor der gefürchteten Bakterienerkrankung schützt - ein wichtiger Schritt vorwärts im Kampf gegen die Bienenseuche, da in Österreich wie auch in den meisten europäischen Ländern die medizinische Behandlung der Völker mit herkömmlichen Antibiotika nicht zugelassen ist. Jetzt hat das Team aus Grazer Zoologen, Molekularbiologen und Chemikern neue Erkenntnisse zur Entwicklung des Immunsystems gewonnen, wie sie in der jüngsten Ausgabe der "Proceedings of the Royal Society B" publizierten.

Stimuliertes Immunsystem über Generationensgrenzen hinweg

"Wir haben die Bienenkönigin mit einer relevanten Dosis des abgetöteten Krankheitserregers der 'Amerikanischen Faulbrut' geimpft und so ihr Immunsystem stimuliert", erklärte die Biologin. Anschließend wurde die Brut der immunstimulierten Königin den krankmachenden Sporen von Paenibacillus larvae ausgesetzt. Dabei zeigte sich, dass diese die Infektion signifikant besser überlebte und weniger krank wurde als Vergleichsbrut der noch nicht immunstimulierten Königin zuvor. Die Abweichung betrug um die 25 Prozent - "das ist beachtlich", so Riessberger-Galle.

Das Grazer Forscherteam schließt daraus, dass die Bienenkönigin den Immunstatus ihres künftigen Volkes aktiv beeinflussen kann. "Die Königin kann offenbar ihrem Nachwuchs lebenswichtige Mehrinformation mitgeben. Wie dies konkret funktioniert, sei "etwas, dass wir noch nicht beantworten können - ebenso wie die Frage, wie lange die Stimulation des Immunsystems der Königin anhält", sagte die Forscherin. (APA/red, derStandard.at, 2.5.2014)


Abstract
Proceedings of the Royal Society B: Trans-generational immune priming in honeybees

  • Das Immunsystem der Königin (hier mit einem gelben Punkt markiert) hat auch Einfluss auf den Immunstatus ihrer Nachkommen.
    foto: ap photo/yves logghe

    Das Immunsystem der Königin (hier mit einem gelben Punkt markiert) hat auch Einfluss auf den Immunstatus ihrer Nachkommen.

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