Entlassungen wie im Fall Plachutta laut AK keine Seltenheit

30. April 2014, 11:46
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Zwei bis drei ähnliche Fälle pro Jahr vor Arbeitsgericht

Wien - Für die Arbeiterkammer sind Entlassungen wie jene eines Kellners beim Wiener Nobelwirt Plachutta wegen der unerlaubten Verwendung von Staubzucker keine Seltenheit. Insbesondere im Gastgewerbe komme es häufig vor, dass Mitarbeiter wegen Kleinigkeiten entlassen werden, sagte Arbeitsrechtsexpertin Carmen Riedl am Mittwoch.

So habe die Arbeiterkammer erst kürzlich einen Prozess um eine Kündigung im Krankenstand gewonnen. In diesem Fall hatte sich eine junge Köchin eine Prellung am Arm zugezogen. Als sie am nächsten Tag mit Gips erschien, um den Chef die Krankenstandandsbestätigung zu bringen, wurde sie entlassen. Im Arbeitsrechtsverfahren warf er ihr vor, sie hätte eine Dose Fanta gestohlen und zog ihr von der Abrechnung noch 200 Euro für angeblich von ihr zerbrochenes Geschirr ab, so Riedl. Das Arbeitsgericht sprach der Köchin 2.500 Euro an Kündigungsentschädigung und Sonderzahlungen zu. Trotz Rechtskraft des Urteils habe der Arbeitgeber noch nicht gezahlt.

Konkurs nach Mitarbeiter-Klage

Und auch außerhalb der Gastronomie geht es mitunter bedenklich zu. Riedl berichtet von dem Fall eines Radio- und Fernsehtechnikers, der 22 Jahre lang bei einer Firma beschäftigt war. Als er sich einmal weigerte, auf ein vereistes Dach zu steigen um an einer Sat-Anlage zu arbeiten, wurde er fristlos entlassen. Es war seiner Ansicht nach viel zu gefährlich, da das Dach auch eine Neigung von 40 Grad hatte und er ein schweres Gestänge zu montieren gehabt hatte. "Der Arbeitnehmer musste dann seine Abfertigung und Kündigungsentschädigung einklagen. Die Klage ging durch, die Firma ging dann in Konkurs und der IEF-Fonds hat die Ansprüche des Arbeitnehmers im Ausmaß von über 20.000 Euro bezahlt", so Riedl.

"Große Fluktuation"

Nichts Neues gab es im Fall des entlassenen Slowaken bei Plachutta. Einen Betriebsrat gebe es nicht, es habe auch noch keinen Bedarf danach gegeben, sagte Plachutta-PR-Mitarbeiterin Christina Knierlinger. AK-Beraterin Julia Vazny-König kann darüber nur den Kopf schütteln. Sie verweist darauf, dass es im Betrieb eine große Fluktuation gebe und der Fall des entlassenen Kellners nicht einmalig sei. Zwei bis drei Plachutta-Fälle würden jährlich vor dem Arbeitsgericht landen. So sei ein Mitarbeiter entlassen worden, weil er zweimal unrasiert zur Arbeit gekommen sei. (APA, 30.4.2014)

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