Tablet-Magazin "Dotyk": "Features, die Print nicht bieten kann"

15. Mai 2014, 12:22
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Tschechisches Magazin setzt rein aufs Tablet und hofft auf genügend Erlöse via Werbung - Österreich als Ziel von Expansionsplänen

Wien - Für Michal Klíma ist die Zukunft des Journalismus digital. Ein Tablet von mittlerer Qualität koste in etwa gleich viel wie das Jahresabo eines qualitativ hochwertigen Printprodukts, sagt er. Klíma ist Gründer des tschechischen Wochenmagazins "Dotyk". Positioniert ist es als reines Tablet-Magazin, das Erste in Europa, wie er betont.

Im April wurde es beim "European Digital Media Awards" ausgezeichnet – mit dem ersten Platz in der Kategorie "Best in Tablet Publishing". Der Name ist Programm: "Dotyk" bedeutet "Touch" oder "Berührung".

50.000 Downloads, 12.000 Leser pro Woche

Auch wenn Klíma vom Erfolg seines Produkts überzeugt ist, bis er die Früchte ernten kann, ist es noch ein weiter Weg. Preise sind zwar ein Motor, um Leser und Werbewirtschaft zu überzeugen, eine Amortisierungsgarantie sind sie dennoch nicht. Derzeit wird "Dotyk" als Gratis-App vertrieben und hält bei 50.000 Downloads. Einnahmen werden rein über die Schiene Werbung generiert, kostendeckend sind die Erlöse nicht. Das Magazin kommt derzeit auf 12.000 Abrufe pro Woche, bis Ende des Jahres sollen es doppelt so viele sein.

Zwei Millionen Tablets bis Ende 2014

Lesermaximierung gibt er als Devise für Phase eins aus, die Monetarisierung solle im nächsten Schritt erfolgen. In welcher Form – ob mit einer Bezahlschranke, über Werbung oder einem Abo-Modell – stehe noch nicht fest, sagt Klíma zu derStandard.at. Er hofft, dass es über Werbung gelingt, ohne User extra zur Kasse bitten zu müssen. In Tschechien werden laut Prognose bis Ende des Jahres rund zwei Millionen Tablets im Umlauf sein; bei einer Bevölkerung von gut zehn Millionen.

Genügend potenzielle Leser also, um ein Magazin zu finanzieren, glaubt er – zumindest theoretisch, denn: Zahlungsbereitschaft für digitalen Journalismus zu schaffen, ist die Crux der Branche. Mobile Werbeerlöse hinken Nutzerzahlen hinterher.

Bedingungen für Journalismus schlechter

Punkten möchte "Dotyk" mit qualitativ hochwertigem Journalismus, den Klíma derzeit mit einem Team aus zwölf erfahrenen Journalisten produziert. Rekrutiert wurden sie von etablierten Medienhäusern. Eigentümerverhältnisse in Verlagen hätten sich in den letzten Jahren verändert, sagt Klíma, und mit ihnen die Produktionsbedingungen für Journalismus. Nicht unbedingt zum Vorteil der Branche. Viele Kollegen seien am Absprung gewesen. Bei "Dotyk" könnten sie frei von ökonomischen und politischen Abhängigkeitsverhältnissen agieren.

Etablierte Journalisten

Als Chefredakteurin des Tablet-Magazins amtiert Eva Hanakova, sie ist ehemalige Redaktionsleiterin von "Ekonom", einem führenden Wirtschaftsmagazin in Tschechien. Die meisten anderen Journalisten schrieben viele Jahre für bekannte Zeitungen und Magazine, sagt Klíma, um zu demonstrieren, dass "Dotyk" kein Experimentierfeld für Nachwuchsjournalisten ist, sondern ein Sammelsurium von etablierten Medienmachern, die vom digitalen Journalismus überzeugt sind.

Klíma ist im tschechischen Mediengeschäft seit Jahren eine feste Größe ist, journalistisch tätig ist er seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Anfang der 90er Jahre leitete er die Zeitung "Lidove Noviny", später war er Geschäftsführer beim Verlag "Economia".

"Features, die Print nicht bieten kann"

Thematisch bietet "Dotyk" einen typischen Magazinmix, also eine Gemengelage aus Politik, Wirtschaft, Kommentaren, Veranstaltungen, Kultur und Lifestyle. Garniert mit interaktiven Inhalten wie Grafiken, Infocharts, Fotostrecken, Audio- und Videoelementen. "Es sieht sehr nach einem gedruckten Magazin aus, verfügt aber über Features, die Print nicht bieten kann", so Klíma über sein Magazin, das derzeit nur auf Tschechisch erscheint. Eine englische Version existiert nur zu Demonstrationszwecken.

Schritt über die Grenze geplant

Diese Kombination, nämlich journalistische Qualität gepaart mit attraktiver Darstellung, möchte er exportieren. Neben weiteren digitalen Magazinen, die er mit der "Dotyk"-Mutter Tablet Media plant, hat der Verleger noch andere Märkte im Visier - zum Beispiel Österreich. Mit einigen Medienhäusern gab es bereits Gespräche, ihre journalistischen Inhalte in Tablet-Form à la Dotyk zu gießen, finalisiert wurden sie noch nicht. Dennoch ist er guter Dinge: "Ich glaube, dass Tablet-Magazine die Zukunft sind, zumindest aber einer von vielleicht mehreren Wegen dorthin." (Oliver Mark, derStandard.at, 6.5.2014)

  • Innovation aus Tschechien: Das Tablet-Magazin "Dotyk" wurde kürzlich beim "European Digital Media Awards" ausgezeichnet.
    foto: dotyk

    Innovation aus Tschechien: Das Tablet-Magazin "Dotyk" wurde kürzlich beim "European Digital Media Awards" ausgezeichnet.

  • Videoelemente und Fotostrecken sind Teile des Magazins.
    foto: dotyk

    Videoelemente und Fotostrecken sind Teile des Magazins.

  • Michal Klíma, Gründer von Tablet Media und "Dotyk", und Chefredakteurin Eva Hanakova.
    foto: dotyk

    Michal Klíma, Gründer von Tablet Media und "Dotyk", und Chefredakteurin Eva Hanakova.

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