Bei Alstom siegt wirtschaftliche Vernunft

Blog30. April 2014, 09:24
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Die vorläufige Entscheidung für GE und gegen Siemens ist ein gutes Zeichen für den Standort Frankreich

Von außen ist es schwer zu beurteilen, ob der französische Technologiekonzern Alstom mit General Electric oder mit Siemens als Partner besser dran wäre und welche Option sich langfristig als vorteilhafter für die französische Wirtschaft erweisen würde.

Aber eines ist sicher: Eine Übernahme, die über Monate von Spitzenmanagern ausgehandelt wurde, hat bessere Zukunftschancen als eine unter politischem Druck zusammen rasch geschusterte Lösung, die zwei europäischen Unternehmen de-facto-Monopolstellungen in strategisch wichtigen Branchen – Transport und Energietechnik – gibt.

Alstom zeigt Hollande die lange Nase

Deshalb ist es ein gutes Zeichen, dass Alstoms Verwaltungsrat sich in einem ersten Schritt für das Angebot der Amerikaner und damit gegen die Deutschen ausgesprochen hat - und damit Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande und seinem linksnationalistischen Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg die lange Nase zeigt.

Gerade dass Siemens die GE-Übernahme von Alstoms Energiesparte fürchtet, spricht für den Deal. Denn mehr Wettbewerb auf diesem Gebiet kann helfen, Preise zu drücken und die europäische Industrie insgesamt wettbewerbsfähiger zu machen.

Und Hollandes Widerstand gegen GE scheint eher eine reflexhafte Abwehr gegen US-Konzerne und amerikanische Wirtschaftspraktiken zu sein als eine wohlüberlegte Strategie zur Stärkung des französischen Standorts. Noch vor wenigen Jahren war Siemens für Frankreichs Sozialisten genauso ein rotes Tuch wie heute GE.

GE könnte Schritt noch bereuen

Ein guter Teil aller Übernahmen erweisen sich als wirtschaftliche Fehlentscheidung, vor allem für die Übernehmer, die oft zu viel bezahlen. Deshalb könnten GE und sein CEO Jeff Immelt diesen Schritt vielleicht noch bereuen.

Und es ist auch gut möglich, dass Siemens-Chef Joe Kaeser am Ende froh sein wird, bei Alstom nicht zum Zug zu kommen. Außerdem hat Alstom immer noch eine Tür für Siemens offen gelassen.

Aber im Augenblick sieht es so aus, als ob nüchterne Unternehmensführung über den traditionellen französischen Dirigismus, der in diesem Fall besonders wenig durchdacht war, den Sieg davonträgt. Und das ist ein gutes Zeichen für Frankreich, was selbst Hollande noch schätzen lernen könnte. (Eric Frey, derStandard.at, 30.4.2014)

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