Die Demütigung von München

29. April 2014, 23:00
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Das Debakel "dahoam": Real schießt den Titelverteidiger mit 4:0 aus dem eigenen Stadion und steht im Champions-League-Finale. Die "Hölle" von München wurde der "Himmel" für Madrid

München – Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatte Real Madrid die "Hölle", versprochen, die Choregographie am Dienstagabend in der Allianz Arena war auch höllisch schön. Kurz vor Spielbeginn ertönte aus den Lautsprechern "Highway to hell". Die Fans in der Südkurve bildeten den überdimensionalen Pokal ab, machten ihre Mannschaft noch einmal darauf aufmerksam, worum es geht. Um den Einzug ins Finale der Champions Legaue, das am 24. Mai in Lissabon stattfindet. Und natürlich auch um die erfolgreiche Titelverteidigung.

Real pfiff sich nach dem 1:0 im Hinspiel überhaupt nichts, Trainer Carlo Ancelotti stellte das überirdische Sturmtrio bestehend aus Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Gareth Bale auf, Vorsicht war überhaupt nicht angebracht. Die Bayern und somit auch David Alaba begannen wie gewohnt mit viel Ballbesitz und -kontrolle. Den Königlichen war das wurscht, sie verteidigten relativ hoch. Und profitierten schamlos von zwei Standardsituationen. 16. Minute: Nach einem Corner des womöglich besten Real-Spielers an diesem Abend, Luka Modric, fliegt Innenverteidiger Sergio Ramos herbei, wuchtet den Ball per Kopf ins Tor. Vier Minuten später stellte sich die Bayern-Defensive genauso patschert an. Und wieder war der nahezu unbedrängte Ramos per Kopf zur Stelle, nach einer Freistoßflanke von Angel di Maria. Ramos feierte ausgelassen, war er mit einem verschossenen Elfmeter im Halbfinal-Duell 2012 doch noch die tragische Figur.

Himmel statt Hölle

Zwischen den Toren hatte Dante vermutlich aus Frust Ronaldo ziemlich brutal gefoult, die Gelbe Karte war eine fast zu milde Strafe. Ronaldo revanchierte sich auf seine Art. 34. Minute: Ein Konter aus dem Bilderbuch, Benzema schickt Bale, der legt quer auf Ronaldo. Und der Weltfußballer trifft zum 3:0, es war sein 15. Goal im laufenden Bewerb, das ist Rekord. Franck Ribéry hätte nach einer Ohrfeige gegen Dani Carvajal die Rote Karte sehen müssen. In der Halbzeitpause hat Franz Beckenbauer gesagt, dass er "sprachlos" ist. Rummenigges "Hölle" für Real war der "Himmel" für Real.

Die Bayern hätten noch fünf Tore benötigt, das gelingt allerdings maximal gegen die eigene U17. Real spulte den Rest entspannt ab. In der letzten Minute erhöhte Ronaldo per Freistoß gar auf 4:0, nun hat er 16 Stück. Die Spanier könnten zum zehnten Mal die Champions League (vormals Cup der Landemeister) gewinnen. Xabi Alonso ist im Endspiel gesperrt. Bayerns Trainer Pep Guardiola schaute nach Abpfiff Löcher in die Münchener Luft. Kapitän Philipp Lahm sagte nach der höchsten Bayern-Heimniederlage im Europacup: "Sehr, sehr bitter." (Christian Hackl, DER STANDARD, 30.4.2014) 

Champions League, Semifinal-Rückspiel, Dienstag

FC Bayern München - Real Madrid 0:4 (0:3)
Arena München, 68.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Proenca (POR)

Tore: 0:1 (16.) Ramos, 0:2 (20.) Ramos, 0:3 (34.) Ronaldo, 0:4 (90.) Ronaldo (Freistoß)

Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Kroos, Schweinsteiger - Robben, Müller (72. Pizarro), Ribery (72. Götze) - Mandzukic (46. Martinez)

Real: Casillas - Carvajal, Pepe, Ramos (75. Varane), Coentrao - Bale, Modric, Alonso, Di Maria (84. Casemiro) - Benzema (80. Isco), Ronaldo

Gelbe Karten: Dante bzw. Alonso (im Finale gesperrt)

Hinspiel 0:1, Real mit Gesamtscore von 5:0 im Finale am 24. Mai im Estadio da Luz in Lissabon.

  • Stimmen:

Karl-Heinz Rummenigge: "Wir haben ein Stück zu wenig Leidenschaft in die Waagschale gelegt, um den Gegner in Probleme zu bringen. Real hat uns unsere Grenzen aufgezeigt."

Philipp Lahm: "Das ist eine große Enttäuschung. 0:4 hört sich schon sehr bitter an. Wir hatten uns sehr viel vorgenommen, haben es aber taktisch in der ersten Halbzeit nicht gut gemacht."

Matthias Sammer: "Wir sind an einer großen Mannschaft gescheitert. Real ist in einer großartigen Form und hat fantastisch gespielt."

David Alaba: "Es ist sehr bitter für uns alle, weil wir uns sehr viel vorgenommen haben. Es ist überhaupt nicht so gelaufen, wie wir das wollten. Wir sind durch zwei Standardtore in Rückstand gekommen, dann war es schwer zurückzukommen. Beim ersten Gegentor muss ich hochsteigen, beim zweiten war es sehr schwer, weil der Ball verlängert wurde. Wenn man zweimal gewinnt, hat man sehr viel richtig gemacht. Wir brauchen jetzt ein paar Tage, dass wir den Kopf wieder oben haben. Wir haben noch ein Finale im Pokal, das wollen wir gewinnen."

Sergio Ramos: "Meine Tore waren nebensächlich, wichtig war der Erfolg. Ich glaube, es war ein verdienter Sieg. Wir haben kontinuierlich auf einem hohen Level gespielt, es ist eine große Ehre, mit zwei Toren an diesem Erfolg für Real beteiligt zu sein."

  • Zwei Säulen des Sieges herzen einander: CR7 und Modric. Lahm dreht ab. 
 
    foto: reuters/orlowski

    Zwei Säulen des Sieges herzen einander: CR7 und Modric. Lahm dreht ab.

     

  • Sergio Ramos ließ die Hölle von München zufrieren.
    foto: ap/schrader

    Sergio Ramos ließ die Hölle von München zufrieren.

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