Neugierige Jugend statt alter Experten

29. April 2014, 20:57
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Auftakt des "Teenage Think Tank" soll Wissenschaft und Wirtschaft mit jungen Ideen auffrischen

Wien - Die zunehmende Verflechtung sozialer, wirtschaftlicher oder ökologischer Belange verschafft Experten und Beratern Hochkonjunktur. Seit den 1980er-Jahren führt das vermehrt zur Gründung sogenannter Thinktanks, in denen meist Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung zusammenarbeiten, um Empfehlungen an die Politik zu formulieren.

Vor einem halben Jahr hatten der Finanzmathematiker Bernhard Kronfellner und sein Vater Manfred die Idee zu einem Thinktank der anderen Art: Statt alteingesessene Experten an einen Tisch zu bringen, wollten sie Jugendliche ins Zentrum rücken - letzten Freitag fand die Auftaktveranstaltung an der Wiener Technischen Universität statt.

"Die Ideen der Teenager sind unsere Zukunft" ist dabei die Motivation von Bernhard Kronfellner, mit hochbegabten Jugendlichen zusammenzuarbeiten die seines Vaters.

Esther Gureczny ist eine von ihnen: Die Sechstklässlerin des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums in Wien wurde von ihrer Mathematik-Lehrerin zu dem Thinktank persönlich eingeladen. Beim Brainstorming zur Zukunft des Mathematikunterrichts kritisiert sie, dass kaum erklärt wird, wo das Gelernte auch angewandt werden kann.

Wohin mit den Ideen

"Die großartigsten Ideen kommen in jungen Jahren", meint Bernhard Kronfellner, aber "Teenager werden nicht abgedeckt in der Wissenschaft - sie wissen nicht wohin mit ihren Ideen".

Warum die TU an dem "Teenage Think Tank" partizipiert, erklärt der ehemalige Vizerektor für Lehre und Mathematiker Hans Kaiser: "Wir müssen die Gesellschaft weiterbilden." Er deutet auf die Deckenfresken des Festsaals. Es stellt die einzelnen Disziplinen dar, jenes der Mathematik zeigt den Satz des Pythagoras - falsch geschrieben: "Wir bräuchten diese Weiterbildung schon seit dem 19. Jahrhundert."

In Workshops versuchten die Jugendlichen, den praktischen Nutzen der Mathematik für die Wirtschaft herauszuarbeiten. Ein Ziel war es, mit zehn verschiedene Steuern 100 Euro einzunehmen. Die Sperlgymnasiastin Janine Jira gibt als "Finanzministerin" an, welche Steuern gesenkt und welche gehoben werden sollen. Die Tabaksteuer wird von ihr um 400 Prozent angehoben - "ich bin gegen Rauchen", begründet sie die Erhöhung.

"Das, was ich euch erzähle, ist das, womit man Geld verdienen kann", beginnt Bernhard Kronfellner, hauptberuflich Berater bei der Boston Consulting Group, seinen Vortrag. Am Beispiel von Aktienkursen erklärt er den Schülern die Wichtigkeit von Mathematik in der Wirtschaft.

Insgesamt war die Auftaktveranstaltung noch ein Trockenschwimmen. Beim nächsten Workshop in einem halben Jahr will Bernhard Kronfellner Beispiele aus der Praxis bearbeiten. Hat sich der Teenage Think Tank erst einmal einen Namen gemacht, könnten die Expertisen der Jugendlichen Unternehmen auch zum Verkauf angeboten werden. Doch vor allem geht es Kronfellner darum, die Schüler zu einem Studium an der TU Wien zu bewegen. (ook; trat, DER STANDARD, 30.4.2014)

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