Hypo-Begräbnis: Jeder Schritt ein Verlustrisiko

29. April 2014, 19:09
76 Postings

Die Staatsbank hat laut Geschäftsbericht eine Menge Verlustrisken in ihrem Bauch und könnte noch sehr viel kosten

Wien - Außergewöhnliche Ereignisse sind in der staatlichen Hypo Alpe Adria nicht unbedingt selten, bei der Hauptversammlung (HV) am 23. Mai wird dieser Kette eine neue Perle hinzugefügt. Der Eigentümer (vertreten durchs Finanzministerium) wird die Entlastung von ehemaligem Vorstand und Aufsichtsrat widerrufen - ein Akt, der so gut wie nie vorkommt.

Betreffen wird das die Personen, die 2007 und 2008 jene Sonderdividende von 50 Mio. Euro beschlossen und abgesegnet haben, die nach dem Hypo-Consultants-Verkauf 2008 ausgeschüttet wurde. Empfänger waren die Kärntner Landesholding, die Grawe-Tochter Bank Burgenland, Berlin & Co Capital und die Mitarbeiterprivatstiftung MAPS. Die Bank hat längst auf Rückzahlung geklagt. Um ihre rechtliche Position zu stärken, wird nun die vor fünf Jahren erteilte Entlastung von Exbankern und Exkontrolloren wie Tilo Berlin, Wolfgang Kulterer, Werner Schmidt (der Bayernbanker war Aufsichtsratschef), Siegfried Grigg oder Othmar Ederer (die Grawe-Manager waren im Aufsichtsrat) gecancelt.

Abseits davon zittern alle, ob die Abbaugesellschaft für die Hypo bis September steht; das Gesetz dafür ist nicht in Sicht. In diese Gesellschaft werden Assets von 17,8 Mrd. Euro transportiert. Bis dahin reicht das (jüngst dank der Steuerzahler erhöhte) Kapital der Bank laut Vorstand aus - allerdings drohen durchaus weitere Verluste.

Das erschließt sich auch aus dem Geschäftsbericht 2013, den die Bank nun veröffentlicht hat.

Gefahr im Südosten

Gefahrenpotenzial lauert vor allem beim Verkauf der Banken in Südosteuropa (SEE). Wie der Vorstand festhält, kann "nicht ausgeschlossen werden, dass aus dem Verkauf des Südosteuropa-Netzwerkes (SEE) weitere Verluste realisiert werden." Der Vorstand gehe davon aus, dass (falls die Bank erneut unter die gesetzliche Eigenmittelgrenze fällt) "der Eigentümer für zusätzliche Eigenmittelzufuhr sorgen wird", hält Wirtschaftsprüfer Ernst & Young in seinem Bestätigungsvermerk dazu fest.

Die SEE-Banken müssen gemäß EU-Vorgabe bis Mitte 2015 verkauft werden. Das Netzwerk wurde zwar bereits für die Bilanz 2013 um rund eine halbe Milliarde Euro abgewertet; dennoch droht da, weil das SEE-Netzwerk zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung "noch nicht in verkaufsfähigem Zustand war", weiteres bewertungstechnisches Ungemach.

Der Hypo-Vorstand erwartet im Zug des Verkaufsprozesses ein "erhebliches weiteres Abwertungserfordernis" bzw. "weitere, im Konzernabschluss 2013 noch nicht berücksichtigte, erhebliche" Veräußerungsverluste. Kurzum: Die Hypo-Chefs gehen von einen Verkauf "deutlich unter dem Buchwert" aus, wie es der Prüfer zusammenfasst.

Sicherheiten wackeln

Auch der Transport der Assets in die Abbaugesellschaft birgt Risiko. Bei diesem Vorgang müssen die Vermögenswerte neu bewertet werden - und da drohen kräftige Abschläge. Die Realisierung "zusätzlicher Verluste ist nicht auszuschließen", hält der Wirtschaftsprüfer in seinem (uneingeschränkten) Bestätigungsvermerk fest. Das Gleiche gilt freilich beim Abbau des Portfolios, das bei der Hypo bleibt. Es "bestehen hohe Unsicherheiten (...) hinsichtlich der Verwertung von Kreditsicherheiten" , warnt der Vorstand.

Sicher ist also nur, dass alles unsicher ist - und sicher ist auch der Maximalbetrag, den der Staat der Bank gemäß EU-Genehmigung insgesamt noch zuschießen darf: 2,15 Mrd. Euro (die jüngste Tranche von 750 Mio. schon abgerechnet). Die Aufsicht ist vor allem angesichts der massiven Probleme in Italien alarmiert. Unbestätigten Gerüchten zufolge rechnen manche Aufseher mit zwei bis 2,5 Mrd. Euro, die die Hypo noch kosten könnte - bis zum Herbst. (Renate Graber, DER STANDARD, 30.4.2014)

  • Hypo-Vorstandschef Alexander Picker will die Risken verkleinern und steht vor hohen Hürden.
    foto: reuters/bader

    Hypo-Vorstandschef Alexander Picker will die Risken verkleinern und steht vor hohen Hürden.

Share if you care.