Griechenland: Schüsse auf Flüchtlingsboot

29. April 2014, 17:54
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Berichte über Härten gegen Asylsuchende und Migranten in Griechenland

Athen/Brüssel/Wien - Die griechische Küstenwache hindere Flüchtlingsboote mit Gewalt daran, griechische Küsten zu erreichen. Bei diesen sogenannten Push-backs nähmen sie Todesopfer in Kauf: so weit ein am Dienstag veröffentlichter, auf Grundlage von Schilderungen überlebender Flüchtlinge verfasster Bericht von Amnesty International, dessen Inhalte vom Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) inzwischen bestätigt wurden.

Die Push-Backs seien nur ein Aspekt des Problems, ergänzt Elias Bierdel von der NGO Borderline Europe, die den Umgang mit Flüchtlingen und Migranten an den EU-Außengrenzen im Auge hat: "Dazu kommt, dass in Griechenland versucht wird, öffentliche Akzeptanz für das brutale Vorgehen zu schaffen". So habe die Küstenwache unlängst vor der Insel Chios auf ein Flüchtlingsboot geschossen, um es zu vertreiben - um danach laut Zeitungsartikeln behauptet, von Schleppern angegriffen worden zu sein, erzählt Bierdel.

Das Wegschauen Europas in Flüchtlingsfragen

Aus dem Norden Griechenlands berichtet die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen über weitere Härten: In den Haftzentren Fylakio und Paranesti hätten die Behörden internierten Migranten angedroht, sie so lange einzusperren, bis sie von selbst aus Griechenland wieder ausreisen.

Von solcher Druckausübung in griechischen Internierungscamps wisse man schon länger, meint dazu Amnesty-Österreich-Generalsekretär Heinz Patzelt. Die EU sei aufgerufen, die Zahlungen an Griechenland für Grenzkontrollmaßnahmen und den Aufbau einer Flüchtlingsinfrastruktur einzustellen und ein Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten. Das Grundproblem, so Patzelt, sei das Wegschauen Europas in Flüchtlingsfragen: Solange die Außengrenzen einigermaßen dicht blieben, würden die Härten hingenommen. (Irene Brickner, DER STANDARD, 30.4.2014)

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