"Da hab ich Blut geschwitzt"

Porträt30. April 2014, 05:30
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Von Sopron in den Seewinkel: Zsolt Gergácz hat die Sprachbarriere überwunden

Eisenstadt - Man braucht schon ein gutes Ohr, um herauszuhören, dass Zsolt Gergácz kein Burgenländer ist. Dabei kam er erst sehr spät zum Deutschen, in der Schule, und das auch nur ein Jahr lang. Und in die regionale Variante des fast undurchdringlichen Burgenländischen stürzte er wie ins eiskalte Wasser: kopfüber. "Vor 23 Jahren hat mich ein Kollege gefragt, ob ich nicht auch in Österreich arbeiten will." Er wollte - aber er wollte gleich wieder den Hut draufhauen. "Da hab ich Blut geschwitzt, so schlimm war das mit der Sprache."

Zsolt Gergácz kommt aus Sopron und arbeitet - sehr gut ausgebildet, in Sopron haben sie eine einschlägig gerühmte Schule - im sprachbezüglich wohl herausforderndsten Beruf, als Kellner. Und vor 23 Jahren verschlug es ihn in eine sprachlich ganz besonders herausfordernde Gegend: den burgenländischen Seewinkel. "Erst nach Andau, dann aber bald schon nach Frauenkirchen."

Zehn Jahre blieb er dort, servierte nicht nur dem damaligen Bürgermeister und jetzigen Landeshauptmann Hans Niessl, an den er sich folglich auch mit schmückendem Schnauzer erinnert. Er erinnert sich auch, wie ihn so manche Frauenkirchner mit ihrer Auffassung von Deutsch malträtierten.

"Und einmal hab ich mit einem übers Kochen geredet" - Zsolt Gergácz' Leidenschaft ist es, übers richtige Kochen zu reden, da kann er sehr pädagogisch werden -, "und ich hab das Wort 'Kräuter' nicht verstanden. Hat der mir das auf Ungarisch erklärt. Ich sag: Du sprichst Ungarisch? Er: Bisztos." Nur reden wollten er und viele andere, denen die Sprache noch aus innerfamiliären Gründen geläufig war, nicht. "Ungarisch hatte damals keinen hohen Stellenwert." Für Gergácz war es ein Vorteil: Wer sich durch den Seewinkel fragen kann, kommt überall durch. Vor 13 Jahren wechselte Zsolt Gergácz demnach schon leichtzüngig in die Mattersburger Gegend, wo die sprachlich erst recht herausfordernde Heanzerei ihre geografisch ersten Urständ' feiert.

Dorthin pendelt er, wie eh und je, von seinem neuen Einfamilienhaus in der Nähe von Sopron. In der Stadt hat der heute 45-Jährige noch die dortigen Maifeiern erlebt. "Aber so richtig erinnern kann ich mich vor allem ans Fest." Das Eigentliche nach dem Aufmarsch auf dem Lenin körút. Dann ging es auf den Bécsi domb, den Wiener Berg, dort hatten sie Ringelspiele und sonstige Lustbarkeiten aufgebaut. "Würstel hat es gegeben und Bier und Limonade." Und fälschlicherweise hat Zsolt Gergácz lange geglaubt, "sowas gibt's nur im Kommunismus". So einen schönen 1. Mai. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 30.4.2014)

  • Zsolt Gergácz an seinem Arbeitsplatz.
    foto: weisgram

    Zsolt Gergácz an seinem Arbeitsplatz.

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