YLine-Prozess: Böhm weist Untreue-Vorwürfe zurück

29. April 2014, 16:29
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Staatsanwalt wirft Böhm und einigen anderen Angeklagten den Tatbestand Untreue vor

Wien - Im YLine-Strafprozess wurde am Dienstag am Landesgericht Wien die Einvernahme des Hauptbeschuldigten ehemaligen Yline-Chefs Werner Böhm fortgesetzt. Im Mittelpunkt der Befragung durch die vorsitzende Richterin Marion Zöllner standen die von der Anklage vorgebrachten Untreuevorwürfe. Böhm wies die Vorwürfe zurück.

Der Staatsanwalt wirft Böhm und einigen anderen Angeklagten den Tatbestand Untreue unter anderem im Zusammenhang mit der Beteiligung an der Primus Service Group GmbH vor, der späteren YLine Germany, gegen Sacheinlage in Form von YLine-Aktien. Der Wert des 74,9-Prozent-Anteils an YLine Germany sei vor der Sacheinlage viel zu hoch bewertet gewesen, hatte Gutachter Thomas Keppert laut Anklage dargelegt.

Dass Beteiligungen nicht nur gegen Barzahlung, sondern gegen Sacheinlagen in Form von eigenen Aktien eingegangen wurden, sei damals und auch heute üblich, meinte Böhm auf Befragung der Richterin. Damals habe dies auch die Investmentbank empfohlen.

Bewertungsfragen von Internetunternehmen waren laut Böhm damals generell ein zentrales Thema bei Kauf und auch sonst. Alle Internetfirmen seien reziprok (wechselseitig bzw. aufeinander bezogen, Anm.) bewertet worden. Die Schwierigkeit bestand darin, dass Internetfirmen damals noch keine Geschichte hatten. "Das war so", so Böhm. Es seien Aktien getauscht worden, oder man habe mit Aktien bezahlt. Barzahlung wäre ein Unsinn gewesen. Seiner Meinung nach sei Primus mehr Wert gewesen als YLine, die keine starke Mutter im Hintergrund gehabt habe. "Es war ein guter Kauf, ja", bestätigte Böhm eine Frage der Richterin.

Komplexer Vorgang

Der Sacheinlageabtausch mit Primus sei ein komplexer Vorgang gewesen, an dem er selbst nicht mitgewirkt habe. Ihm selbst sei nur wichtig gewesen, "dass keine Leichen drinnen liegen". Er habe nur über die Strategie verhandelt. "Dass alles stimmt, war der Job anderer", so Böhm.

Ziel sei es gewesen, mit der Online-Tochter des größten deutschen Handelskonzerns Metro ein europäisches Rechenzentrum mit Internetzugangsinfrastruktur aufzubauen. Dass es nicht dazu gekommen sei, lag laut Böhm einmal mehr am internationalen IT-Konzern IBM, mit dem YLine ein exklusives Partnerschaftsabkommen für Europa hatte, und an das sich IBM nicht gehalten habe. Auch sei IBM am Rechenzentrum in Köln interessiert gewesen.

Primus sei damals der größte Online-Händler im deutschsprachigen Raum gewesen. Neben der Zusammenarbeit auf Handelsebene hätte ihn noch mehr das Rechenzentrum von Primus in Köln interessiert. Dieses hätte als Basis für andere Kunden benutzt werden können. Wenn es gelungen wäre, mit Primus eine Online-Strategie umzusetzen, hätte dies wesentlich zu den YLine-Umsätzen beigetragen.

IBM

Dass aus der geplanten Kooperation mit Metro nichts geworden sei, dahinter stecke IBM. Es sei gegen das Projekt interveniert worden, IBM habe das intern nicht mehr durchstehen können, warum, wisse er bis heute nicht. Ein zuständiger Metro-Mann habe ihn angerufen und ihm gesagt, dass bei ihm IBM angerufen habe, sie sollen es nicht mit YLine durchführen. IBM wollte das Projekt direkt mit Metro umsetzen. Er sei deswegen bis zum Finanzchef von IBM Europa in Paris gegangen. "Wir hätten bei Metro einen großen Auftrag bekommen können, den wir gemeinsam mit IBM machen hätten können", so Böhm.

Dem voraus ging ein streng vertrauliches Schreiben des damaligen IBM-Chefs von Österreich an die Vorstandsmitglieder von YLine, bei dem es unter anderem um die unklare Situation nach dem User-Verkauf und noch immer offene Ratenzahlungen an IBM ging. Er habe darauf heftig reagiert, weil die Vorwürfe nicht stimmten, so Böhm, gestand aber ein, dass die Liquiditätssituation immer problematisch gewesen sei.

Ähnliche Untreue-Vorwürfe betreffen laut Anklage auch die Beteiligung an Webline, einer auf Erotikinhalte spezialisierten Onlineplattform, und die Beteiligung an der dänischen Kontornet. Mit den Dänen sollte ein Internethandelsplatz für Büroartikel aufgebaut werden. Dass auch aus diesen Beteiligungen nichts geworden sei, lag laut Böhm daran, dass der Markt für Beteiligungen an Internetunternehmen damals noch nicht da gewesen sei und am Zusammenbruch des Internetmarktes 2001. "Man muss das im historischen Umfeld sehen", so Böhm. "Wir haben alle hohe Erwartungen gehabt und haben reagiert, als die Internetblase 2001 geplatzt ist".

Der Strafprozess wird morgen, Mittwoch, mit der weiteren Befragung von Böhm durch den Sachverständigen und die Anwälte der Angeklagten fortgesetzt. (APA, 29.4.2014)

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