Konsumenten trösten sich mit kleinem Luxus

29. April 2014, 16:08
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Die Umsätze im Handel gingen im ersten Quartal zurück. Gewinner waren Baumärkte, Verlierer einmal mehr der Lebensmittelhandel

Der warme Winter sorgt im Handel umsatzmäßig für ein Wechselbad der Gefühle. Zusammengefasst sei das erste Quartal 2014 im Handel "nicht berauschend" gewesen, sagt Bettina Lorentschitsch, Obfrau der Sparte Handel der Wirtschaftskammer, am Montag Abend vor Journalisten. Auch wenn endgültige Zahlen noch nicht vorliegen, zeichnet sich ein inflationsbereinigtes Umsatzminus von einem Prozent ab.

Dabei gibt es durchaus auch Gewinner. Anders, als die aktuelle Lage bei Baumax oder Obi vermuten lässt, haben die Bau- und Heimwerkermärkte zulegen können. Genauso, wie Geschäfte, "die mit Blumen oder Garten" zu tun haben. Lorentschitsch erklärt das Wachstum vor allem mit dem schönen Wetter und dem frühen Frühlingsbeginn 2014.

Einen guten Start ins Jahr legten auch die Bereiche Schuhhandel und kosmetische Erzeugnisse hin. Für die Handelsobfrau ist das klar ein Zeichen dafür, dass der sogenannte Lipstick-Effekt zuschlägt – Konsumenten trösten sich in Krisenzeiten mit kleinen, günstigen Luxusartikeln.

Lebensmittelhandel im Minus

Weniger tröstlich ist die Lage in anderen Bereichen. Beim Lebensmittelhandel zum Beispiel. Nominell geht man hier von einem Umsatzrückgang von 1,9 Prozent im ersten Quartal aus. Da sei ein länger anhaltender Trend zu beobachten, sagt Lorentschitsch.  Die Handelsobfrau erklärt den Rückgang damit, dass die Konsumenten billigere Produkte einkaufen. Zudem sei bei einigen Produkten eine Deflation zu beobachten, sprich: sie wurden günstiger. Große Aktionen bei den Handelsriesen Spar und Rewe und die Tatsache, dass Diskonter vermehrt auf Markenartikel setzen, tragen ihr Übriges dazu bei.

Die späten Ostern sorgten im Spielwarenhandel für ein Minus, Ostergeschenke werden wohl erst im zweiten Quartal zu Buche schlagen. Der Sportartikelhandel hingegen litt unter dem warmen Winter, auch hier gab es Umsatzeinbußen.

Lorentschitsch erhofft sich von der Politik – vor allem in Hinblick auf die heutige Budgetrede des Finanzministers - "keine weiteren standortschädlichen" Maßnahmen. Damit schlägt die Handelsobfrau in dieselbe Kerbe wie Banken und Industrie. Diese drohten wegen zu hoher Steuern und Energiepreise oder überbordender Bürokratie mit dem Abzug ihrer Firmensitze aus Österreich. Lorentschitsch wünscht sich jedenfalls "keine weiteren Steuern", und weist dabei auf die 2014 wiedereingeführte Schaumweinsteuer hin. (roda, derStandard.at, 29.4.2014)

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