Wie Eingriffe in Flüssen die Erde verwandeln

4. Mai 2014, 18:33
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Erosion und Gefährdung von Infrastruktur und Umwelt sind die Folgen von Staudämmen, Flussverbauungen und unterschiedlicher Landnutzung

Wien - Dass der Mensch das Gesicht der Erde nachhaltig verändert, zeigt sich nicht allein an zugebauten Landschaften oder für Bodenschätze abgetragenen Bergen. Die Auswirkungen des "Anthropozäns" werden auch indirekt durch Änderung der Landnutzung in Wassereinzugsgebieten sichtbar, mit Staudämmen und Flussverbauungen, erklärte Ronald Pöppl von der Uni Wien am Rande der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien.

"Wenn ein Staudamm errichtet wird, greift der Mensch in den Sedimenthaushalt des Fließgewässers ein, dadurch ändert sich die Flussmorphologie und somit das Erdrelief", so Pöppl, der am Institut für Geographie und Regionalforschung der Uni forscht. Oberhalb des Dammes sammeln sich Sand und Schotter an und der Fluss verlandet. Damm-abwärts wiederum frisst er sich wegen des Sedimentmangels tiefer in den Untergrund.

Wenn dadurch das Ufer oder die Flusssohle abgetragen (erodiert) werden, sind eventuell Häuser, Straßen und wertvolle Ackerflächen gefährdet, so der Geomorphologe. Auch die Umwelt leidet, da zum Beispiel die Laichgründe für regionale Fische durch die Veränderungen verschwinden können. Neue Staudämme würden deshalb oft so gebaut, dass das Sediment entlang der Gewässersohle passieren kann. "Das kann man sich in etwa so wie eine Staumauer vorstellen, die unten offen ist", sagte Pöppl. Doch die Experten seien sich uneinig, ob dieses System ausreichend gut funktioniert.

Rückbau mit Folgen

Deshalb werden viele Dämme und Wehranlagen, die teilweise noch aus dem Mittelalter stammen, wieder rückgebaut, so Pöppl. Selbst dies hat zumindest vorläufig für den Menschen möglicherweise negative Konsequenzen, denn oberhalb des Damms stellt der Fluss nun sein "Ausgleichsgefälle" wieder her - wiederum mittels Erosion.

Die Menschen reagieren, indem sie die Ufer und oft auch die Gewässersohle mittels "Gerinneverbauungen" sichern. "Damit wird gewissermaßen ein durch die Errichtung von Staudämmen, also mittels Menschenhand, entstandenes Erdrelief konserviert", meint der Forscher. Dass das Wasser dabei kanalisiert und schneller abgeleitet wird, könne bei Hochwasser gefährlich werden, vor allem wenn zusätzlich die natürlichen Rückzugsräume (Retentionsräume) wie Seitenarme und Auengebiete verschwinden.

Landnutzung wirkt auf die Flüsse

Auch die Landnutzung im Einzugsgebiet der Gewässer habe einen Einfluss auf die Gestalt und das Verhalten der Flüsse. "Durch die ackerbauliche Bewirtschaftung von Flächen kommt es zu verstärkter Bodenerosion und dementsprechend wird der Sedimenthaushalt der Flüsse beeinflusst", sagte er. Außerdem ändern sich die Geschwindigkeit und der Zeitpunkt, wann das Wasser nach dem Regen in den Fluss gelangt, wenn etwa ein Wald abgeholzt und auf der Fläche Getreide angebaut wird. "Der Wald fungiert gewissermaßen als Puffer und Wasserspeicher, während bei Ackerflächen das Wasser sehr rasch oberflächlich abfließt", so Pöppl.

Die Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union von 28. April bis 2. Mai in Wien ist mit rund 12.000 Teilnehmer der weltweit zweitgrößte Kongress auf diesem Gebiet. (APA/red, derStandard.at, 04.05.2014)

  • Nicht immer sind die Veränderungen von Flussverbauungen so klar erkennbar wie auf dieser Aufnahme von der Internationalen Raumstation ISS aus. Das Bild zeigt den Haditha-Damm, der den Euphrat im Irak zumQadisiyah-See aufstaut.
    foto: nasa/esa

    Nicht immer sind die Veränderungen von Flussverbauungen so klar erkennbar wie auf dieser Aufnahme von der Internationalen Raumstation ISS aus. Das Bild zeigt den Haditha-Damm, der den Euphrat im Irak zumQadisiyah-See aufstaut.

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