Eigner im Clinch

29. April 2014, 15:14
4 Postings

Metro: "Eskapaden" von Kellerhals schädlich für Media-Saturn

Der Machtkampf um Europas größte Elektronikhandelskette Media-Saturn eskaliert. Minderheitseigner Erich Kellerhals und der Handelsriese Metro liefern sich einen offenen Schlagabtausch. Kellerhals kritisierte am Dienstag in ungewöhnlich scharfer Form Mehrheitseigner Metro und dessen Chef Olaf Koch.

"Ich bin in tiefer Sorge darüber, wie Media-Saturn derzeit von der Metro verwaltet wird", teilte er mit. "Ich sage bewusst verwaltet, weil von unternehmerischer Führung derzeit keine Rede sein kann." Bei Media-Saturn herrsche "Stillstand - und dies leider nicht nur bei Personalentscheidungen", fügte er hinzu. "Wir halten die diversen Eskapaden von Herrn Kellerhals für ungewöhnlich und schädlich für Media-Saturn", ließ ein Metro-Sprecher Kellerhals umgehend wissen.

Umsatzrückgänge erwartet

Der nun in neuer Schärfe geführte Streit kommt für die Metro zur Unzeit: Branchenkenner rechnen wegen des heftigen Wettbewerbs mit Umsatzrückgängen bei Media-Saturn im ersten Quartal - und möglicherweise auch im Gesamtkonzern. Die Zahlen will Metro in der kommenden Woche vorlegen. Eigentlich für Mai geplante Treffen zwischen Koch und Kellerhals zur künftigen Strategie der Kette stehen Branchenkreisen zufolge nun auf der Kippe.

In Ingolstadt kamen am Dienstag Insidern zufolge inmitten des Schlagabtauschs die Media-Saturn-Beschäftigten zu einer Mitarbeiterversammlung zusammen. Zudem soll am Mittwoch der Metro-Aufsichtsrat tagen.

"Keine Bereitschaft für neue Ideen"

Media-Saturn sei "groß und erfolgreich geworden, weil die Geschäftsführung immer den Mut hatte, neue Geschäftsideen auszuprobieren", fügte Milliardär Kellerhals hinzu. Doch dazu gebe es keine Bereitschaft mehr - das liege am Mehrheitseigner Metro. Der börsennotierte Konzern optimiere "zu bestimmten Stichtagen (...) bestimmte Kennzahlen" - "und das zum Schaden des operativen Geschäfts".

Angesichts des immer härteren Wettbewerbs in der Branche bedürfe es eines "intensiven Austauschs über die Strategie". Dem verweigere sich Metro aber. "Die Behauptungen und Beschuldigungen von Herrn Kellerhals (..) sind erstaunlich und befremdlich", sagte dagegen ein Metro- Sprecher. Die Vorwürfe seien "weder zielführend, noch entsprechen sie den Tatsachen." "Wir bedauern sehr, dass wir durch die wiederholten, unsachlichen öffentlichen Äußerungen von Herrn Kellerhals zu dieser Stellungnahme gezwungen sind".

Jahrelange Machtkämpfe

Kellerhals und der Metro-Vorstand ringen seit Jahren um die Macht bei der Kette mit über 56.000 Mitarbeitern, die zuletzt knapp ein Drittel des Metro-Umsatzes erwirtschaftete. Umstritten war unter anderem die Expansionsstrategie der Kette und die Aufstellung des Online-Geschäfts. Der Zwist beschäftigte auch die Gerichte. Media-Saturn-Mitbegründer Kellerhals hat trotz seiner Beteiligung von rund 22 Prozent umfassende Veto-Rechte. Metro möchte diese aushebeln und hat einen Beirat eingerichtet, der wichtige Weichenstellungen mit Mehrheitsentscheidungen vornehmen soll. Kellerhals sah dies als "Enteignung".

"Keine inhaltlichen Diskussionen"

Im Beirat fänden "keine inhaltlichen Diskussionen" statt, erklärte Kellerhals nun. Er griff auch Koch direkt an: "Herr Koch sitzt dort missmutig mit seinen Anwälten und lässt Vorlagen abnicken." Metro sieht dies anders - Kellerhals habe "noch nie an einer Beiratssitzung teilgenommen und sich dort grundsätzlich von Anwälten ohne Branchenkenntnisse vertreten lassen".

Er habe Koch aufgefordert, an der Weiterentwicklung der Kette "aktiv und konstruktiv mitzuwirken, insbesondere in der Gesellschafterversammlung", betonte dagegen Kellerhals. In diesem Gremium gelten Kellerhals' Vetorechte - und dort muss er sich auch mit Koch in einer wichtigen Personalie zusammenraufen: Der Vertrag von Media-Saturn-Chef Horst Norberg läuft im kommenden Jahr aus, Spitzenpersonalien müssen Insidern zufolge weiter in der Gesellschafterversammlung geklärt werden. Und auch für Koch selbst ist eine Lösung wichtig - denn der Metro-Aufsichtsrat wird sich voraussichtlich bis zum Jahresende auch mit seiner Zukunft befassen. Kochs Vertrag endet ebenfalls im kommenden Jahr. (APA, derStandard.at, 29.4.2014)

Links:

Media

Saturn

Share if you care.