Hormon Galanin kann Angstgefühle dämpfen

29. April 2014, 11:52
2 Postings

Salzburger Forscher identifizierten wichtigen hormonellen Regelkreis, der das Angstverhalten beeinflusst

Bei der Entstehung von Angststörungen spielen bestimmte Hirnregionen und dort agierende Botenstoffe - vor allem sogenannte Neuropeptide - eine Rolle. Salzburger Wissenschafter konnten nun einen wichtigen Regelkreis identifizieren, der Angstverhalten beeinflusst. Eine entscheidende Rolle dabei spielt das Hormon Galanin, das Angstgefühle dämpfen kann, berichten die Forscher im Fachjournal Pnas.

Angsterkrankungen treten bei etwa 13 Prozent aller Erwachsenen auf, bei Jugendlichen noch häufiger, erklärte Barbara Kofler, Leiterin des Laura Bassi Exzellenzzentrums "THERApeutic application of neuroPEPtides" an der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg. Etwa jeder Zehnte hätte durch Angstzustände deutliche Einschränkungen im Alltagsleben, drei Prozent zeigen weitergehende Komplikationen und Begleiterkrankungen wie Medikamenten- oder Alkoholabhängigkeit.

Biologische Komponente

Bei den Ursachen dafür wird neben Umweltfaktoren auch eine biologische Komponente diskutiert. So zeigen neurobiologische Untersuchungen, dass Botenstoffe im Gehirn, vor allem sogenannte Neuropeptide (Eiweißhormone), an der komplexen Regulation von Angst beteiligt sind.

Die Salzburger Wissenschafter haben in Kooperation mit Kollegen der Medizinischen Universitäten Graz und Innsbruck die Rolle von Galanin untersucht. Dabei handelt es sich um ein häufig in Nervenzellen vorkommendes Neuropeptid, das verschiedenste Körperfunktionen steuert, etwa Appetitregulation, Entzündungsprozesse oder auch emotionales Verhalten.

Damit Hormone eine Wirkung ausüben können, müssen sie - nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip - an die Zielzellen über Rezeptoren binden. In ihrer Arbeit haben Susanne Brunner vom Laura Bassi-Zentrum und Aitak Farzi von der Medizin-Uni Graz unter der Leitung Koflers mit Mäusen gearbeitet, denen einer der drei Galanin-Rezeptoren (GAL3) fehlt. "Es zeigte sich, dass das Fehlen eines der Galanin-'Schlösser' bei den Mäusen Angst auslöst", so Kofler. Umgekehrt bedeutet dies, dass Galanin Angstgefühle dämpfen kann.

Von klinischer Bedeutung

Kofler untersucht seit 2009 am Laura Bassi-Zentrum, bei welchen Erkrankungen Galanin-Peptide von klinischer Bedeutung sein könnten. Basierend auf den neuen Ergebnissen suchen die Wissenschafter gemeinsam mit dem Industriepartner des Zentrums, der Biotech-Firma Procomcure, nach Substanzen, die die Regelkreise beeinflussen können.

Dabei gehe es einerseits um Substanzklassen, die stabiler sind als die im Körper vorkommenden Neuropeptide, die sehr schnell abgebaut werden. Andererseits werden Substanz gesucht, die nicht auf alle drei Galanin-Rezeptoren passen, sondern nur das GAL3-Schloss sperren. Damit könne man Nebenwirkungen relativ niedrig halten, so Kofler.

Die 2009 gegründeten "Laura Bassi-Centres of Expertise" - österreichweit gibt es acht davon - betreiben anwendungsorientierte Grundlagenforschung gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern aus der Industrie und Forschung. Ziel der durchwegs von Frauen geleiteten Einrichtungen ist auch die Verbesserung der Karrierechancen von Frauen. (APA, 28.4.2014)

Share if you care.