Austrobanken mit 1,035 Milliarden Verlust

29. April 2014, 17:38
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Hypo-Verluste und Abschreibungen der Bank Austria ergeben eine Zäsur, selbst im Krisenjahr 2008 konnten die Banken positiv bilanzieren

Österreichs Bankensektor hat schon bessere Zeiten gesehen. Gemeinsam haben die Institute im Jahr 2013 einen Verlust von 1,035 Milliarden Euro verbucht. Das war wohl das erste Mal in der Geschichte, dass es in Summe über alle Institute gemeinsam ein Minus gab, sagte OeNB-Vizegouverneur Andreas Ittner vor Journalisten.  Auslöser waren die Verluste bei der Kärntner Hypo  und die Firmenwertabschreibungen der UniCredit-Tochter Bank Austria.

Alleine die Hypo Alpe Adria schrieb bekanntlich im Vorjahr im Konzern 1,9 Milliarden Euro Verlust, die Bank Austria wiederum verbuchte nach der Abschreibung ihrer Osteuropa-Beteiligungen ein Minus von 1,6 Milliarden Euro. Einer der beiden Sondereffekte alleine wäre noch von den anderen Gewinnen kompensiert worden. Insgesamt sei dieses Ergebnis jedoch eine "Zäsur", denn selbst im Krisenjahr 2008 konnten die Banken gemeinsam mit 579 Millionen Euro knapp aber doch noch positiv bilanzieren, so Ittner. Der positive Effekt: Durch die Firmenwertabschreibungen in der Bank Austria wurde langfristig der Bankensektor für die nächsten Jahre gestärkt.

Kapitalausstattung verbessert

Eine positive Entwickelung gibt es auch in Sachen Kapitalausstattung der Banken. Die Kernkapitalquote nach der gültigen Definition stieg von 11 auf 11,9 Prozent. Nach der künftigen strengeren Bewertung - ohne PS-Kapital, aber schon unter Berücksichtigung der Kapitalerhöhungen heuer - entspreche dies einer Kernkapitalquote von 10,9 Prozent. 2008 lag die Kapitalausstattung der Banken erst bei 7,7 Prozent. Alleine die Ankündigung des heuer laufenden strikten Stresstests habe zu einer Kapitalaufstockung bei den Banken geführt, erinnerte Ittner.

Im Alltagsgeschäft belasteten vor allem die niedrigen Zinsen den Ertrag der Banken, so Ittner. 2012 hatten die Institute gemeinsam noch einen Gewinn von 2,966 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Betriebserträge der Banken fielen 2013 im Vergleich zu 2012 um 2,4 Milliarden Euro, die Betriebsaufwendungen stiegen zugleich um 1,7 Milliarden Euro. Dadurch ging das Betriebsergebnis der Banken in Summe um 4,1 Milliarden Euro zurück, von 12,09 Milliarden Euro auf 7,95 Milliarden Euro.

Firmenwert der Auslandstöchter geschrumpft

Die Auslandstöchter der heimischen Banken machten 2013 ein Betriebsergebnis von 6,3 Milliarden Euro, nach 6,57 Milliarden Euro im Jahr 2012 und einen Periodenüberschuss von 2,09 Milliarden Euro, nach 2,17 Millairden Euro. Der Rückgang sei vor allem auf das sinkende Zinsniveau zurückzuführen. Der Firmenwert der Auslandstöchter wurde in den vergangenen Jahren schrittweise abgeschrieben und sei nun "in einer überschaubaren Größe", so Ittner.

Eine harte Prüfung steht den Banken noch bevor: Die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA und die Europäische Zentralbank geben am Dienstag die Szenarien für den Stresstest von Europas Großbanken bekannt. Der Test ist Teil einer umfassenden Überprüfung der Geldhäuser. Sie soll sicherstellen, dass die Euro-Zonen-Banken keine Altlasten mehr in den Bilanzen haben, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) im Herbst die Aufsicht über die Branchengrößen übernimmt.

Der Stresstest soll deutlich strenger ausfallen als frühere vergleichbare Tests, die als zu lax kritisiert worden waren. Durchgesickert ist bereits, dass die Aufseher prüfen werden, wie die Geldhäuser einen Einbruch der Konjunktur in den nächsten zwei Jahren verkraften würden. Parallel soll untersucht werden, ob sie genügend Kapital haben, um einen Einbruch des Immobilienmarktes und Währungsturbulenzen zu überstehen.

Der Stresstest ist die dritte Stufe eines umfassenden Bilanz-Checks, der die Finanzbranche seit Monaten in Atem hält. Vorangegangen waren eine Risikoanalyse und ein tiefer Blick in die Bilanzen der Institute. Viele Banken haben im Vorgriff schon frisches Eigenkapital eingesammelt. Abgeschlossen sein soll der Fitnesscheck im Oktober. (APA/red, derStandard.at, 29.4.2014)

  • Nicht nur die Kärntner Hypo (und mit ihr die österreichischen Steuerzahler) hat ein anstrengendes Jahr hinter sich.
    foto: reuters/bader

    Nicht nur die Kärntner Hypo (und mit ihr die österreichischen Steuerzahler) hat ein anstrengendes Jahr hinter sich.

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