Schröder feierte 70. Geburtstag mit Putin

30. April 2014, 07:43
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Nach Angaben örtlicher Medien fand die Feier in St. Petersburg statt - Deutsche Regierung distanziert sich

Moskau/Berlin - Der ehemalige deutsche Kanzler Gerhard Schröder hat während der Ukraine-Krise örtlichen Medien zufolge mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag im russischen St. Petersburg nachgefeiert. Putins Wagenkolonne sei am Abend am Jussupow-Palais in der einstigen Zarenhauptstadt vorgefahren, berichtete das Internetportal fontanka.ru am Montagabend.

Bei der Feier handelte es sich demnach um einen Empfang der Nord Stream AG. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des Unternehmens, das die gleichnamige Ostsee-Pipeline betreibt und vom russischen Staatskonzern Gasprom dominiert wird. Gasprom-Chef Alexej Miller war Berichten zufolge ebenfalls unter den Gästen. Schröder und Putin gelten als enge Freunde.

Nach Angaben der deutschen Bundesregierung hatte Schröder keinen offiziellen Auftrag, mit dem russischen Präsidenten zu reden. Als Reaktion auf das Treffen in St. Petersburg hieß es vonseiten der deutschen Bundesregierung am Dienstag: "Er ist nicht mit einem Auftrag der Bundesregierung unterwegs." Die Union und das Kanzleramt gingen deutlich auf Distanz. Allerdings feierte auch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder (CDU) mit. Er geriet deswegen ebenfalls in die Kritik.

Reaktionen: "Stillose" Umarmung

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier warf Schröder vor, seine Umarmung mit Putin sei "stillos" gewesen. Putin verfolge eine "Politik der Aggression", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Neuen Presse". "Ich erwarte, dass ein ehemaliger Bundeskanzler weiß, wie so etwas auf Menschen wirkt. In der Ukraine, aber auch in Polen und in den baltischen Staaten leben viele in Angst."

SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte dem Sender n-tv mit Blick auf Schröder: "Ich will hoffen, dass er die Begegnung genutzt hat, um Putin zu sagen: Kümmere Dich mal mit stärker darum, dass die Leute freikommen, die da als OSZE-Beobachter in Gefangenschaft sind." Unter den Gefangenen sind auch vier Deutsche.

SPD-Ministerpräsident verteidigt

Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), verteidigte Schröder. Der "Welt" sagte Sellering, der selbst zu den Gästen der Party zählte: "Gerhard Schröder hat als Bundeskanzler ganz entscheidend zu einem partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Deutschland und Russland beigetragen. Auch Veranstaltungen wie der Empfang sorgen dafür, dass der Gesprächsfaden zwischen den beiden Ländern aufrecht erhalten bleibt."

Auch der Linken-Chef Bernd Riexinger nahm Schröder in Schutz: "Der Umgang mit Altkanzler Schröder ist dumm", sagte er "Handelsblatt Online". In der Krimkrise hätte der 70-Jährige eine "wichtige Vermittlerrolle bei Putin spielen können, wenn man ihn in die Pflicht genommen hätte", erklärte Riexinger. Es sei "nicht hilfreich, wenn alle direkten Drähte zur russischen Führung gekappt werden". (APA, 29.4.2014)

  • Herzliche Umarmung: Der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin.
    foto: epa/anatoly maltsev

    Herzliche Umarmung: Der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin.

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