Fast 60 Tote bei Anschlägen vor Parlamentswahl im Irak

28. April 2014, 21:03
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Attentäter griffen wählende Sicherheitskräfte an

Bagdad - Zwei Tage vor der Parlamentswahl im Irak haben Anschläge mit mindestens 57 Todesopfern die Sorge vor neuerlicher Gewalt am Wahltag verschärft. Neun Selbstmordattentäter sprengten sich am Montag in Wahllokalen in Bagdad und Städten nördlich der Hauptstadt in die Luft, wo Polizisten und Soldaten ihre Stimme abgeben konnten.

Der schwerste Anschlag mit mindestens 30 Todesopfern ereignete sich in Chanakin im Norden des Landes, wo Anhänger des erkrankten Präsidenten Jalal Talabani die Veröffentlichung eines Videos feierten, das ihn offenbar bei der Stimmabgabe zeigte. Bei dem Anschlag nahe dem Büro von Talabanis Partei Patriotische Union Kurdistan wurden mindestens 50 Menschen verletzt. Zu den Gewalttaten bekannte sich zunächst niemand. Meist werden derartige Taten aber von sunnitischen Extremisten verübt.

Die Sicherheitskräfte waren bereits am Montag zur Wahl aufgerufen, damit sie am Mittwoch zur Sicherung der Abstimmung eingesetzt werden können. Auch Patienten in Krankenhäusern und medizinisches Personal gaben bereits am Montag ihre Stimme ab. Im Irak wird am Mittwoch zum ersten Mal seit dem Abzug der US-Truppen Ende 2011 ein neues Parlament gewählt. Das Land steht unter dem Eindruck eines massiven Anstiegs der Gewalt zwischen den Religionsgruppen, allen voran den Schiiten und Sunniten.

Seit Jahresbeginn wurden fast 3.000 Menschen bei Anschlägen getötet, auch der Wahlkampf wurde von Anschlägen auf Kandidaten und Wahllokale überschattet. Bei der Parlamentswahl gilt der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki mangels eines starken Gegenspielers als Favorit zur Wiederwahl für eine dritte Amtszeit - trotz der Unzufriedenheit vieler Menschen wegen der zunehmenden Gewalt und der weit verbreiteten Korruption. (APA, 28.4.2014)

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