Grenzgang und Balanceakt

28. April 2014, 17:50
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Klangforum Wien - und Joonas Ahonen am Hammerflügel - mit Beethoven/Zender

Wien - Generationen von Pianisten haben Ludwig van Beethovens 33 Veränderungen über einen Walzer von Diabelli Angst und Schrecken eingeflößt. Und jetzt kam ein junger Pianist und spielte sie, als sei es das Natürlichste auf der Welt. Dabei ist Joonas Ahonen, seit 2011 Mitglied des Klangforums, bisher mit heiklen zeitgenössischen Parts aufgefallen.

Für das letzte Zykluskonzert der Saison wechselte er auf den Hammerflügel. Und nicht irgendeinen, sondern ein Originalinstrument von Johann Baptist Streicher. Dessen Vater Andreas gehörte nicht nur als weltberühmter Klavierbauer zu Beethovens engsten Vertrauten, Ahonen reizte im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses die Möglichkeiten des 1836 gebauten Klaviers in alle Richtungen bis an die Grenzen aus - was bekanntlich ganz im Sinn des Komponisten ist.

Tempofreiheit

Bereits Diabellis schlichtem Thema gab er ruppiges Profil, brachte hier und im Folgenden sparsam-pointierte Verzierungen ein, erlaubte sich Tempofreiheiten fast in dem Ausmaß, über das Zeitgenossen bei Beethovens Spiel berichteten. Anlass für den Abend waren allerdings die 33 Veränderungen über 33 Veränderungen, die Hans Zender (78) als "komponierte Interpretation" der Diabelli-Variationen verstanden wissen will. Im Gegensatz zu seiner Instrumentation von Schuberts Winterreise hat Zender hier eigentlich eine Rekomposition vorgenommen. Originale, orchestrierte Partien wechseln mit weiterkomponierten Passagen, meist in zeitgenössischem Idiom: Verfremdungen, Irritationen.

Der Komponist selbst sprach von einem "Balanceakt" - und darum handelt es sich tatsächlich. Das Problem, dass die einfache Funktionsharmonik in einen deutlichen Widerspruch mit Zenders Klangsprache gerät, ist kaum gelöst, die instrumentale Farbigkeit wirkt oft aufgesetzt. Erst in der letzten Variation, wo ein Klavier von außen Beethoven im Original spielt und mit dem Ensemble einen Dialog entspinnt, entwickelt sich echte Atmosphäre.

Das Ensemble unter der Leitung von Peter Rundel tat freilich sein Bestes; der Jubel am Ende galt wohl auch seiner ganzen Saison und der Vorfreude auf die nächste. (Daniel Ender, DER STANDARD, 29.4.2014)

  • Der finnische Pianist Joonas Ahonen.
    foto: timmo tähtinen

    Der finnische Pianist Joonas Ahonen.

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