Wien: Eislaufverein stimmt Plänen zur Bebauung nicht zu

28. April 2014, 17:54
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Auf dem Areal beim Hotel Intercontinental soll ein 73 Meter hoher Turm errichtet werden. So sieht es das Siegesprojekt vor. Die Unesco ist alarmiert. Der Wiener Eislaufverein will sich hier nicht einmischen, er kämpft aber gegen eine mögliche Verkleinerung seiner Fläche

Wien - Die jüngst präsentierten Bebauungspläne für das Wiener Areal zwischen Hotel Intercontinental und Konzerthaus nahe der Innenstadt sind Kritik durch den Wiener Eislaufverein (WEV) ausgesetzt. Der umstrittene 73 Meter hohe Turm mit Luxuswohnungen steht aber nicht im Zentrum des Ärgers. "Wir sind nicht für die Architektur verantwortlich und keine Mitinitiatoren des Bauvorhabens", sagte WEV-Sprecher Peter Menasse am Montag.

Für den Verein sind in den derzeit vorliegenden Plänen keine klaren Abgrenzungen zwischen öffentlich zugänglichen Plätzen und der vom Eislaufverein in Anspruch genommenen Fläche ersichtlich. Man müsse schließlich auch Eintritt verlangen, sagte Sprecher Peter Menasse. Zudem sei es auch eine Sicherheits- und Haftungsfrage: Der künftige Eishockey-Bereich müsse ordentlich von öffentlichen Gehwegen abgegrenzt sein. Menasse: "Dem derzeitigen Konzept werden wir nicht zustimmen."

Eisfläche in Gefahr

Zudem sieht der WEV die Größe seiner Eisfläche gefährdet: Wie bisher soll diese auch im neuen Entwurf 6000 Quadratmeter betragen. Allerdings müsste, um auf diese Größe zu kommen, 1000 Quadratmeter öffentlicher Grund im Besitz der Stadt Wien entlang der Lothringerstraße umgewidmet werden. Die Straße müsste verlegt werden.

Im Siegesentwurf des Jury-Wettbewerbes wird freilich fix davon ausgegangen: Die 1000 Quadratmeter Fläche, die dem Eislaufverein beim Hotel Intercontinental für den Turmbau abgezwackt wird, soll der Verein straßenseitig dazugewinnen. Wenn die Stadt Wien der Umwidmung nicht zustimmt, würde der WEV dem Bauprojekt seine Unterstützung entsagen. "Eine Verkleinerung der Eisfläche kommt nicht in Frage", sagt Menasse. Die Zustimmung des WEV für das Projekt, der die Attraktivierung des Areals und auch den angekündigten Bau einer unterirdischen Eishalle begrüßt, ist aber nötig: Der fast 150 Jahre alte Eislaufverein hat einen bis 2058 laufenden Mietvertrag.

Im Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) hieß es auf STANDARD-Anfrage, dass man sich den Verlauf des möglichen Flächenwidmungsverfahrens anschauen müsste. Die Umwidmung dürfe jedenfalls nicht auf Kosten des öffentlichen Raumes gehen. "Mehrwert für die Öffentlichkeit ist oberste Prämisse."

Massive Verstrickungen

Investor Michael Tojner, Eigentümer von WertInvest, will für die Um- und Neubauten auf dem Gelände etwa 220 Millionen Euro in die Hand nehmen. WertInvest hat 2012 das Hotel Intercontinental übernommen und ist seit 2011 auch Mehrheitseigentümer jener privaten Gesellschaft, die dem WEV das Grundstück vermietet.

Bis Mai 2008 zahlte der Eislaufverein dem öffentlichen Stadterweiterungsfonds als Grundstücksbesitzer Miete, ehe das Areal einer Tochter der "Buntes Wohnen - Gemeinnützige Wohnbaugesellschaft mbH" verkauft wurde. Der Rechnungshof hatte diese Veräußerung an eine private Firma für "vergleichsweise geringe" 4,2 Millionen Euro erst im Vorjahr kritisiert. Es seien Anbote bis zu neun Millionen Euro vorgelegen. "Das Vergabeverfahren hätte gestoppt werden sollen", schrieb der Rechnungshof.

Wien droht "rote Liste"

Die Grünen, damals in Opposition, hatten beim Verkauf 2008 von Bauspekulationen gesprochen. 2011 nannte sich die Tochter von "Buntes Wohnen" in "Lothringer Straße 22 Projektentwicklungsgesellschaft" um, deren Mehrheitseigentümer Tojner ist.

Kritisch sieht die Unesco den geplanten Bau des 73-Meter-Turms. Laut Empfehlung der Organisation von 2013 sollte der Turm nicht höher als das Intercontinental (45 Meter) sein. "Das Areal liegt in der Kernzone des Weltkulturerbes Wien. Dort sollte der stärkste Schutz gelten", sagt Gabriele Eschig, Generalsekretärin der Österreichischen Unesco-Kommission, dem STANDARD. Einen Präzedenzfall will man sich nicht leisten: "Ich vermute, dass das auf die Tagesordnung der internationalen Unesco-Sitzung kommt", sagt Eschig. Diese findet im Juni in Katar statt. Möglich sei laut Eschig auch eine Drohung, Wien "auf die rote Liste zu setzen". (David Krutzler, DER STANDARD, 29.4.2014)

  • So oder so ähnlich könnte die Zukunft des Areals zwischen Hotel Intercontinental und Konzerthaus aussehen. Der geplante Bau des 73 Meter hohen Turms wird von der Unesco kritisiert.
    rendering: apa/wertinvest

    So oder so ähnlich könnte die Zukunft des Areals zwischen Hotel Intercontinental und Konzerthaus aussehen. Der geplante Bau des 73 Meter hohen Turms wird von der Unesco kritisiert.

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