Nur Schlafplätze für bettelnde Frauen in Salzburg

28. April 2014, 17:39
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Rund hundert Roma betteln derzeit in Salzburg. Ein Roma-Verein will nun eine eigene Notschlafstelle und ein Beratungszentrum eröffnen und beklagt Übergriffe gegen Bettler. Ein Lokalaugenschein vor zwei Containern

Salzburg - Es hat aufgehört zu regnen. Die Tür des provisorisch errichteten Containers öffnet sich. Onica Ion und Nicolai Dinku treten aus dem Matratzenlager und legen Decken zusammen. "Es ist kalt", erklären sie. Die beiden Roma sind zwei von insgesamt zwölf Bettlern, deren Quartier unter der Staatsbrücke vergangene Woche von der Stadt geräumt wurde. Als Notlösung wurden die zwei Container am Park & Ride Platz Salzburg Süd aufgestellt. Sieben Frauen und fünf Männer teilen sich die Container. Wegen des Regens sind sie heute nicht, wie sonst jeden Tag, in der Salzburger Innenstadt, um Passanten um Geld zu bitten.

Große Überwindung

Onica Ion war in seine Heimat Rumänien als Bergarbeiter tätig. Der Systemumbruch machte ihn arbeitslos. Seit einem Jahr ist er mit seiner Frau Vasilica in Salzburg. Zeitweise verkauft er die Zeitschrift "The Global Player", ansonsten kniet er in der Altstadt und hält seinen Hut auf, in der Hoffnung, dass Passanten Geld hineinwerfen. Es sei eine große Überwindung gewesen zu betteln, erklärt Onica Ion, aber es sei die einzige Chance, um zu Geld zu kommen. Die Ions haben fünf Kinder in Rumänien. Die älteren Geschwister passen auf die jüngeren auf, während ihre Eltern in Salzburg betteln. "Wir würden jede Arbeit annehmen. Egal ob putzen oder sonst was", sagt Vasilica Ion.

Ein Auto hält neben den Containern. Raim Schobesberger, der Obmann des Vereins "Phurdo" für Roma-Integration, steigt aus und begrüßt die zwölf Bettler, die nun auf drei Bierbänken vor den Containern im Halbkreis Platz genommen haben. Lamitta Domitro umarmt Schobesberger herzlich und klagt ihm ihre Kopfschmerzen. "Viele der bettelnden Roma sind krank", erklärt Schobesberger.

Zentrale Anlaufstelle

Das sei mit ein Grund, warum er eine Beratungsstelle für Roma in Salzburg eröffnen möchte. "Mit einer zentralen Anlaufstelle von Roma für Roma könnte man gesundheitliche Versorgung, Deutschkurse und auch Arbeit vermitteln", sagt Schobesberger. Die Zusammenarbeit mit dem Integrationsbüro der Stadt funktioniere zwar sehr gut, aber zentral sei, dass die Roma einen Rom als Ansprechpartner hätten. "Die Leute vertrauen mir", erklärt Schobesberger. Bei anderen Institutionen herrsche noch immer die Angst vor Diskriminierung und Vorurteilen vor.

Die Bettler würden die Vorurteile regelmäßig auf der Straße erfahren, erzählt Schobesberger. Wie der Standard berichtete, brannte Anfang April ein provisorisches Bettlerlager im Stadtteil Schallmoos. "Die Betroffenen sind jetzt weg, aus Angst", sagt Schobesberger. In der Vorwoche hätten drei Jugendliche einem Bettler am Müllnersteg den Schlafsack weggenommen und in die Salzach geworfen. "Ich wurde schon einmal in den Bauch getreten", schildert Lamitta Domitro. Diese Vorfälle und Übergriffe gegen Bettler seien politisch aufgeputscht, meint Schobesberger. "Wenn sich die Politik nicht ändert, ändern sich auch die Umgangsformen gegenüber bettelnden Roma nicht."

Container als Übergangslösung

Die zwölf Roma werden Anfang nächster Woche voraussichtlich ein letztes Mal in den Containern übernachten, die nur als Übergangslösung gedacht waren. Bis die Winternotschlafstelle der Caritas in der Alpenstraße wieder öffnet. Rund 15 Plätze werden in der Arche Süd zur Verfügung stehen, aber nur für Frauen. Die Räume und Sanitäranlagen würden für eine gemischte Unterbringung nicht ausreichen. Die Caritas sucht noch Freiwillige für Nachtdienste. Über eine finanzielle Unterstützung der Stadt wird noch verhandelt.

"15 Plätze sind nicht genug", kritisiert Schobesberger. Derzeit seien rund hundert obdachlose Roma in Salzburg. Er wünscht sich, dass die Containerlösung verlängert werde, bis er selbst geeignete Räumlichkeiten für eine eigene Roma-Notschlafstelle gefunden habe. "Ich habe etwas in Aussicht und warte nur auf die Unterstützungszusage der Stadt." (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 29.4.2014)

  • Zwölf Roma sind vorübergehend in den zwei Containern in Salzburg Süd untergekommen. Die Frauen haben nächste Woche die Chance auf eine Notschlafstelle. Die Männer bleiben ohne Unterkunft.
    foto: hannes huber

    Zwölf Roma sind vorübergehend in den zwei Containern in Salzburg Süd untergekommen. Die Frauen haben nächste Woche die Chance auf eine Notschlafstelle. Die Männer bleiben ohne Unterkunft.

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