Alstom-Übernahme: Industriepolitik ist das nicht

Kommentar28. April 2014, 17:30
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Wenn sich Siemens zu einem Angebot herbeilässt, dann einzig, um General Electric von der europäischen Haustür fernzuhalten

Kann das gutgehen? Da liegt ein gestandener Energie- und Transportkonzern (Alstom) am Boden und ruft aus Übersee den Branchenleader (General Electric) zu Hilfe. An sich würden sich die beiden nicht schlecht ergänzen. Doch da legt der hauptbetroffene Standortstaat (Frankreich) sein Veto ein und pfeift aus europa- und anderen politischen Rücksichten einen weißen Ritter (Siemens) herbei. Bloß will der selbst nicht mehr recht, nachdem er sich früher vergeblich um die sich zierende Pariser Braut bemüht hatte; wenn er sich trotzdem zu einem Angebot herbeilässt, dann einzig, um den Dritten (General Electric) von der europäischen Haustür fernzuhalten.

Wie immer der Deal der beiden staatsnahen Riesen schließlich aussieht: Wie ein Schulbeispiel umsichtigen Managements nimmt er sich nicht gerade aus. Es gehe darum, einen "Airbus der Energie" und vielleicht gleich noch einen "Airbus der Transportbranche" (inklusive TGV und ICE) zu bilden, tönt es von Paris bis Berlin. Das viel bemühte Airbus-Konsortium ist allerdings eher die Ausnahme von der Regel, laut der die Summe nationaler Konzerne noch lange kein europäisches Traumunternehmen ergibt.

Schon gar nicht in der Energiebranche, wo die deutsche Energiewende so gar nicht zum französischen Atomkurs passt. Die Politik sollte sich hüten, Firmen zu verketten, wenn sie selbst nicht einmal eine stringente Energiestrategie für den EU-Binnenmarkt zustande bringt. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 29.4.2014)

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