Werthmann: "Ich drehe mich nicht wie das Blatt im Wind"

Interview29. April 2014, 05:30
137 Postings

Die BZÖ-Spitzenkandidatin erklärt, warum beim Namen Haider in Europa "eine Wand hochgezogen" wird

STANDARD: Sie wollten für die Neos kandidieren, dann mit einer eigenen Liste bei der EU-Wahl antreten, jetzt sind Sie BZÖ-Spitzenkandidatin. Bereuen Sie diesen Schritt?

Werthmann: Nein, gar nicht. Es hat sich so ergeben, zwei Frauen, ähnliche Ziele, damit war es klar.

STANDARD: Nach dem Rückzug von Ulrike Haider-Quercia ist nur noch eine Frau übrig.

Werthmann: Ja, so ist das Leben.

STANDARD: Das Ziel, zwei Mandate zu erreichen, haben Sie abgeschrieben: Eines soll nun genügen, haben Sie das Wahlziel der Wirklichkeit angepasst?

Werthmann: Ulrike Haider hat mit ihrem Namen viele Wähler angesprochen, ich mache das wegen meiner Leistungen als EU-Parlamentarierin. Sind wir realistisch: Eines ist drin.

STANDARD: Sie waren bei Hans- Peter Martin, in der europäischen liberalen Fraktion Alde, wollten zu den Neos, nun sind Sie beim BZÖ: Haben Sie Ihre politische Heimat gefunden?

Werthmann: Parteien verändern sich, ich bin meiner Linie treu geblieben, ich war immer liberal und bürgerlich. Ich drehe mich nicht wie das Blatt im Wind. Das BZÖ ist ja auch dadurch entstanden, um sich vom rechten Rand abzugrenzen.

STANDARD: Parteigründer Jörg Haider hat sich aber nicht immer vom rechten Rand abgegrenzt.

Werthmann: Das waren Zeiten, die ich nicht kommentieren kann, weil ich die Umstände seiner Äußerungen nicht kenne.

STANDARD: Das BZÖ beruft sich aber auf Jörg Haider.

Werthmann: Man muss erkennen, was Jörg Haider bedeutet. Es sind Plattitüden, die wir aufgedrückt bekommen. Das zeigt auch der Ausschluss aus der Alde-Fraktion. Das war Sippenhaftung sondergleichen.

STANDARD: Haben Sie eigentlich Haiders Anti-Ausländer-Volksbegehren unterschrieben?

Werthmann: Nein, ich kann mich zumindest nicht daran erinnern.

STANDARD: Parteichef Gerald Grosz macht die Neos für Ihren Ausschluss aus der Alde-Fraktion verantwortlich. Ist das der Grund?

Werthmann: Wir wissen, dass von den Neos interveniert wurde. Fraktionsführer Guy Verhofstadt hat aber Jörg Haider dafür verantwortlich gemacht, er wollte nichts mit einer Partei zu tun haben, die unter dem Namen Haiders steht. Obwohl ich ihm gesagt habe, dass er verstorben ist und sich das BZÖ von gewissen Tendenzen wegentwickelt hat, wurde das von ihm und den Neos nicht anerkannt.

STANDARD: War das für Ulrike Haider ein willkommener Anlass, sich aus der Politik zurückzuziehen, weil sie den Wirbel unterschätzt hat?

Werthmann: Dass der Name Haider auf europäischer Ebene so etwas auslöst, ohne dass sie noch im Parlament war oder wir unser Programm vorgestellt hätten, war definitiv ein Grund für sie, zurückzutreten. Man hat bei ihrem Namen eine Wand hochgezogen.

STANDARD: Aber sie ist im Namen ihres Vaters angetreten, das war auch politisches Kalkül.

Werthmann: Das kann ich nicht beurteilen. Ich will aber nicht ausschließen, dass sie als Mutter eines zweijährigen Kindes den Zeitaufwand und den Druck unterschätzt hat.

STANDARD: Das BZÖ fordert ein Kerneuropa, wie stellen Sie sich das vor?

Werthmann: Nehmen Sie Griechenland, Spanien oder Portugal. Wir zahlen Milliarden. Es muss eine Möglichkeit geben, dass das Geld bei den Bürgern in Griechenland ankommt. Griechenland hat sich mit falschen Zahlen hineingeschummelt. Wir müssen nach Möglichkeiten suchen, auch unter Einbeziehung des Volkes.

STANDARD: Sie meinen einen Ausschluss aus der Eurozone?

Werthmann: Das muss möglich sein. Es muss unter Einbeziehung von Griechenland und Europa darüber nachgedacht werden, wie man mit Krisenländern umgeht, damit das starke Europa nicht in den Abgrund gezogen wird.

STANDARD: Und was ist Ihre Lösung?

Werthmann: Das wird noch zu diskutieren sein.

STANDARD: Haben Sie eigentlich einen Plan B, falls es mit dem Mandat nicht klappt?

Werthmann: Nein, wir gehen davon aus, dass es klappt. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 29.4.2014)

Angelika Werthmann (50) ist Spitzenkandidatin des BZÖ. Sie war von 2009 bis 2010 für Hans-Peter Martin im EU-Parlament, ehe sie aus seiner Liste austrat und ein freies Mandat ausübte.

  • "Dass der Name Haider auf europäischer Ebene so etwas auslöst, ohne dass sie noch im Parlament war oder wir unser Programm vorgestellt hätten, war definitiv ein Grund für sie, zurückzutreten. Man hat bei ihrem Namen eine Wand hochgezogen."
    foto: standard/cremer

    "Dass der Name Haider auf europäischer Ebene so etwas auslöst, ohne dass sie noch im Parlament war oder wir unser Programm vorgestellt hätten, war definitiv ein Grund für sie, zurückzutreten. Man hat bei ihrem Namen eine Wand hochgezogen."

Share if you care.