Und das Glück kam in den Copyshop

28. April 2014, 18:15
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Antonio Fian liest am Dienstag im Literaturhaus in Innsbruck aus seinem Roman "Das Polykrates-Syndrom"

Arthur, Hauptfigur und Ich-Erzähler in Antonio Fians Roman Das Polykrates-Syndrom (Droschl), ist ein Mann mittleren Alters. Der ausgebildete Lehrer hat zwar Geschichte studiert, verdingt sich aber als Nachhilfelehrer und Autor von Kurztexten. Zum Missfallen seiner Gattin und seiner in einem Altenheim untergebrachten herrschsüchtigen Mutter jobbt er auch in einem Copy-Shop in der Wiener Innenstadt. Mit seiner Frau, einer Lehrerin, mit Ambitionen auf den Direktorinnenposten, führt er eine biedere bis lähmende Ehe, eine Scheidung ist dennoch nicht in Sicht. Arthurs dröges Leben nimmt ein jähes Ende, als die wunderschöne, aber für ihn viel zu junge Alice in ihrem grünen Lackledermantel in den Kopierladen und somit in Arthurs Leben platzt.

Was dann als gewöhnliche Dreiecksgeschichte beginnt, entwickelt sich alsbald zu einem Psychothriller, in dem die anfangs so harmlos scheinenden Protagonisten monströse Handlungen setzen. Die ersten Toten sind zu beklagen, die dann - akribisch zerstückelt - entsorgt werden müssen.

Das Polykrates-Syndrom, benannt nach dem antiken Tyrannen von Samos, bedeutet jenes Streben nach maximalem Glück, das jedoch maximales Unglück nach sich zieht. Polykrates soll letztendlich einen derart grausamen Tod gestorben sein, dass selbst Herodot sich über Details ausschwieg. Nicht schweigen, sondern lesen wird Dienstagabend Antonio Fian, gebürtiger Kärntner und Wahlwiener. (dns, DER STANDARD, 29.4.2014)

Literaturhaus am Inn, Innsbruck, 29.4., 20.00

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