Schweizer Politiker zeigt im Selbstversuch, was Vorratsdaten verraten

28. April 2014, 16:13
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Der Nationalrat Balthasar Glättli hat einer Initiative Vorratsdaten aus sechs Monaten bereitgestellt

Eine der großen Lehren von Big Data ist, dass auch Metadaten, also Kommunikationsdaten ohne Nachrichteninhalte, das Erstellen von präzisen Persönlichkeitsprofilen erlauben. Der Schweizer Nationalrat Balthasar Glättli wollte dies einmal mehr unter Beweis stellen und ließ Datenjournalisten der OpenDataCity-Initiative seine Vorratsdaten aus einem Zeitraum von sechs Monaten analysieren.

7112 Einträge

Über das Mobiltelefon des Abgeordneten wurden in diesem Zeitraum 7112 Datenbank-Einträge erfasst: 1417 Telefonate, 3085 SMS und 2160 Internetverbindungen. Jede dieser Aktionen legte den Standort des Abgeordneten offen, weshalb die Journalisten in der Lage waren, ein Bewegungsprofil zu erstellen.

Protest gegen etwaige Verlängerung

Mit der Aktion will der Schweizer Politiker, ähnlich wie sein deutscher Kollege Malte Spitz zuvor, gegen Vorratsdaten protestieren. In einem Blogeintrag nennt er die Vorratsdatenspeicherung einen "staatlichen Lauschangriff", der zu "keiner effektiveren Strafverfolgung" führe. In der Schweiz laut Heise wird momentan über eine Verlängerung der Vorratsdatenspeicherung von sechs auf zwölf Monate diskutiert.

Österreich: EuGh-Urteil

In Österreich beträgt die Speicherdauer derzeit sechs Monate, aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs wird das Prinzip der Vorratsdatenspeicherung aber insgesamt infrage gestellt. Daher wird es in den nächsten Monaten zu einer Überarbeitung der umstrittenen Gesetzgebung kommen müssen. (fsc, derStandard.at, 28.4.2014)

  • Durch die Vorratsdaten konnte ein genaues Bewegungsprofil erstellt werden
    foto: screenshot

    Durch die Vorratsdaten konnte ein genaues Bewegungsprofil erstellt werden

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