Schottland: Salmond wirbt für EU-Beitritt nach Unabhängigkeit

28. April 2014, 18:04
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Mit Zustimmung der Londoner Zentralregierung lassen die Nationalisten im September über die Unabhängigkeit abstimmen

Im Fall der Unabhängigkeit wirbt der schottische Ministerpräsident Alex Salmond für einen raschen EU-Beitritt seines Landes. Bei Auftritten in Belgien schwärmte der Nationalist am Montag vom wichtigen Beitrag Schottlands zum gemeinsamen Projekt. Als Pluspunkte nannte Salmond "unsere großen Energiereserven, unseren wirtschaftlichen Beitrag und unsere Zustimmung zu den Grundprinzipien des europäischen Ideals". Schottland gehöre "zum Herzen Europas".

Mit Zustimmung der Londoner Zentralregierung lassen die Nationalisten im September über die Unabhängigkeit abstimmen. In jüngsten Umfragen lag der wachsende Anteil der Befürworter zuletzt bei 39 Prozent, 46 Prozent wollten mit Nein stimmen, der Rest gibt sich unentschlossen. Die Kampagne des gelernten Ökonomen Salmond, 59, betont die positiven Auswirkungen der Selbstständigkeit. An Grundpfeilern der Gesellschaft wie dem Staatsoberhaupt (weiterhin Queen Elizabeth II), der Währung (das britische Pfund) und der EU-Mitgliedschaft werde sich nichts ändern.

Königliche Zustimmung

Die Zustimmung Elizabeths II gilt als gesichert. Hingegen wollen die Parteien der konservativ-liberalen Koalition unter Premier David Cameron sowie die Labour-Opposition den Schotten im Fall der Unabhängigkeit die Währungsunion verweigern.

Was die EU angeht, hatten die Nationalisten jahrelang fälschlicherweise behauptet, man werde nach der Unabhängigkeit automatisch Mitglied bleiben. Stattdessen will man jetzt die 28 bisherigen Mitglieder, darunter auch Rumpf-Britannien, um rasche Aufnahme bitten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Das Gelingen dieses Vorhabens sei aber "keineswegs gesichert", warnt Londons Außenminister William Hague und fordert von Salmond einen Alternativplan. "Schottlands Verhandlungen mit der EU wären lang und kompliziert, das Ergebnis fiele schlechter aus als der Status quo", glaubt der konservative Politiker. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 29.4.2014)

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