Streit um Islamtheologie in Münster vorläufig beigelegt

30. April 2014, 05:30
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Der Koordinationsrat der Muslime übernimmt die Funktion des Beirats - Diskussion um umstrittenen Islamtheologen Khorchide noch offen

Im Streit um Islamtheologie an der deutschen Universität Münster zeichnet sich eine Einigung ab. Eine "pragmatische Lösung" sei mit der Berufung des Koordinationsrats der Muslime (KRM) als Beirat für das Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Münster erzielt worden, heißt es. Der Einigung zufolge wird der KRM, der sich aus den vier größten deutschen Islamverbänden zusammensetzt, künftig den Beirat mit seinen Funktionären besetzen und nach eigener Darstellung damit Einfluss auf Lehrpläne, Jobs und wissenschaftliche Ausrichtung des Instituts ausüben können.

Vorangegangen war dieser überraschenden Einigung allerdings ein monatelanger Streit, der sich vor allem am Institutsleiter Mouhanad Khorchide entzündet hatte. Dieser hatte mit seinen reformatorischen Islamthesen für Aufsehen gesorgt, ebenso aber für Stirnrunzeln bei den Funktionären der Islamverbände. Schließlich gipfelte der Streit darin, dass man Khorchide öffentlich zur Reue aufrief und schließlich das Verhältnis zu ihm für irreparabel beschädigt erklärte.

Was geschieht mit Khorchide?

Auffällig in dieser Causa ist die unterschiedliche Sicht der Universität beziehungsweise des KRM auf die Affäre Khorchide. Einerseits lässt sich KRM-Sprecher Ali Kizilkaya zitieren und insistiert, die Causa Khorchide sei nicht Teil der Gespräche beziehungsweise der Vereinbarung gewesen. Andererseits ist der Pressesprecher der Universität, Peter Wichmann, sehr wohl der Meinung, dass mit dieser Einigung auch der Streit um Khorchide beendet sei. Daher könnte diese Einigung, die im Sinne der Islamverbände zu sein scheint, wiederum Zündstoff für neue Konflikte um die Person Khorchide bergen.

Während sich die Islamverbände zufrieden über die Einigung zeigen, dürfte die Verwirrung bei den Mitgliedern der Verbände nicht gering sein. Denn auch wenn es aus Sicht der Islamverbände erstrebenswert war, quasi als Religionsgemeinschaft durch den deutschen Staat anerkannt zu werden, steht die Glaubwürdigkeit ebenjener auf dem Spiel, wenn der Eindruck entsteht, sie hätten sich "kaufen" lassen und somit den Verbleib Khorchides ermöglicht.

Streitfall Verfassungstreue

Aber auch die staatlichen Stellen müssen sich nach dieser Einigung Fragen stellen lassen. Der Uni-Beirat in Münster hatte sich unter anderem deswegen nicht konstituieren können, weil der Verfassungsschutz gegen Milli-Görüs-nahe Funktionäre des Islamrats, der Teil des KRM ist, Einspruch erhoben hatte. Die Sorge um die Verfassungstreue dieser Funktionäre scheint geringer geworden zu sein, da mit dieser Einigung auch der Islamrat und somit die Milli-Görüs-Anhänger Einfluss auf die Islamische Theologie an der Uni Münster ausüben werden können. Zumindest bis Ende 2015, denn so lange soll diese "pragmatische Lösung" fortbestehen, bis sich der eigentliche Beirat bilden soll. (Rusen Timur Aksak, daStandard.at, 30.4.2014)

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