Optikerkette Fielmann scheut den Onlinehandel

28. April 2014, 15:35
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Sieht keine Möglichkeit für Brillenversand

Fielmann will seine Brillen auch künftig nicht über das Internet verkaufen. "Wir beobachten den Markt sehr genau, sehen derzeit aber keine Möglichkeit, Brillen per Versand zu verkaufen", sagte Vorstandschef Günther Fielmann am Montag bei der Präsentation der Bilanz für das abgelaufene Jahr in Hamburg. Er begründete dies vor allem damit, dass Brillen vor Ort individuell angepasst werden müssten.

Auf die Frage, ob Deutschlands führende Optikerkette damit gänzlich auf das Wachstum im Onlinehandel verzichten wolle, antwortete der Firmenpatriarch: "Wenn einer im Winter in die kalte Alster springt, springe ich ja auch nicht hinterher."

Brille24, Mister Spex oder Netzoptiker.de

Der Brillenverkauf übers Internet wächst derzeit stark, steckt im Vergleich zum herkömmlichen Geschäft von Optikerketten wie Fielmann aber noch in den Kinderschuhen. Im vergangenen Jahr schlugen Anbieter wie Brille24, Mister Spex oder Netzoptiker.de nach Verbandsangaben zusammen eine halbe Million Sehhilfen online los, vier Prozent des Gesamtmarktes. Etwas niedriger ist der Anteil am Umsatz: Von 5,4 Mrd. Euro, die die Branche insgesamt erlöste, entfielen 165 Millionen auf Onlineanbieter, weniger als drei Prozent. "Nichtsdestotrotz müssen sich die stationären Augenoptiker auf die Entwicklung einstellen und darauf reagieren", betont der Branchenverband ZVA. Bisher würden vor allem Zweitbrillen im Internet bestellt, sagte ein Sprecher.

Fielmann setzt für weiteres Wachstum vor allem auf Gleitsichtbrillen, Kontaktlinsen und Hörgeräte - und will weitere Filialen eröffnen. Mittelfristig solle der Anteil von Gleitsichtbrillen am Absatz um mehr als die Hälfte zulegen. Neue Fertigungstechniken sollen dabei helfen. Derzeit liegt der Gleitsicht-Anteil bei Fielmann bei 23 Prozent, branchenweit ist bereits jede dritte Brille eine mit mehreren Stärken. Die aufwendigeren Gleitsichtbrillen sind bis zu vier Mal so teuer wie Sehhilfen mit nur einer Sehstärke.

Übergabe

Zu seiner Nachfolge äußerte sich Fielmann, der im September 75 Jahre alt wird, weiter zurückhaltend. Der Übergang zu seinem Sohn Marc solle allmählich erfolgen, "nicht mit einem Paukenschlag". Der Filius werde derzeit durch alle Abteilungen des Konzerns geschleust und so schrittweise an seine spätere Aufgaben herangeführt. Wann der Wechsel an der Unternehmensspitze geplant ist, verriet Fielmann nicht. Der seit Gründung an der Firmenspitze stehende Patriarch ist dafür bekannt, dass er selten über seine Pläne spricht.

Das seit 1994 an der Börse notierte Unternehmen wächst seit Jahren in kleinen Schritten. Der Brillenverkauf legt kontinuierlich zu, zuletzt auf 7,3 (Vorjahr 7,1) Millionen Stück - auch weil immer mehr Menschen wegen der Computerarbeit eine Sehhilfe brauchen. Der Anteil an teuren Gleitsichtbrillen steigt dabei ständig - und damit auch Umsatz und Gewinn. 2013 machte der im Nebenwerteindex MDax gelistete Konzern mit gut 16.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,16 Milliarden Euro. Der Netto-Gewinn lag bei 142 Mio. Euro. (APA, 28.4. 2014)

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